Buchtipp : E. Annie PROULX, Aus hartem Holz. (Rezension)

E. Annie PROULX, Aus hartem Holz.

USA/Historischer Roman/

 E. Annie PROULX: Aus hartem Holz.
E. Annie PROULX: Aus hartem Holz.   Neu 
(Barkskins., 2016)
889 S., ISBN: 978-3-630-87249-0
München: Luchterhand, 2017
Bewertung
Bewertung: 4 Sterne

Rezension

Der vermutlich letzte große Roman von Annie PROULX - nach Postkarten und Schiffsmeldungen - zeichnet ein Bild der 300-jährigen Geschichte der Eroberung Nordamerikas. Genauer des Bereichs zwischen dem heutigen Kanada (Neufrankreich) und Boston. Zwei Kulturen treffen hier aufeinander: die der Indianer als Jäger und Sammler, und die der eindringenden Siedler, der Ackerbauern und Viehzüchter. Während die Indianer in den unendlich scheinenden Wäldern alles finden, was sie zum Leben brauchen, machen sich die Siedler das Land untertan, um es zu beherrschen. Sie fällen die Bäume, um Platz für ihre Felder zu schaffen, verkaufen das Holz und lassen Baumstümpfe zurück.
Was den Wald betraf, waren sie Antagonisten. Für Mari war der Wald etwas Lebendiges, so lebenswichtig wie die Wasserwege, voller Gaben der Heilkunst, der Nahrung und Zuflucht, Werkzeugmaterial, von jedermann entdeckt und erinnert. Man lebte mit ihm in Harmonie und Dankbarkeit. Für sie war das ununterbrochene Fällen aller Bäume zu dem törichten Zweck, »das Land urbar zu machen«, nicht richtig. Aber das, dachte Rene, war Weibergerede. Der Wald war da, gewaltig und grenzenlos. Es war die Aufgabe der Menschen, sein Übermaß zu bändigen, das Land zu zähmen, auf dem er wuchs - nutzloses Land, bis es gerodet und mit Weizen und Kartoffeln bepflanzt war.
Wie die Geschichte ausgeht, ist hinlänglich bekannt. Die Kultur der Jäger und Sammler unterliegt der Gier der Siedler. Zu unterschiedlich sind die Vorstellungen von Welt und Leben, als daß hier eine Gemeinschaft entstehen könnte.
Es geht auch um zwei Familien. Einer der Siedler, der engagé René, wird mit einer Indianerfrau eine halbindianische Familie begründen, die am Ende um die Wiederaufforstung des Waldes kämpfen wird. Und Charles Duquet, der sich später Charlie Duke nennen wird. Er und seine Nachfahren werden ein Holzimperium gründen und auf Kosten des Indianer und des Landes reich werden. Erst sehr spät dämmert ihnen, daß der Wald gepflegt und wieder aufgeforstet werden muß.
Fazit: Es ist ein zweifellos großer Roman, der sich im Prinzip um das Thema Nachhaltigkeit dreht. Und das Unrecht nicht verschweigt, das die Bleichgesichter bei ihren Eroberungszügen den Indianern angetan haben. Deren Lebensgrundlage wurde zerstört, damit die anderen reich werden konnten.
Leider ist der Roman mit fast 900 Seiten sehr umfangreich, und bei den handelnden Personen verliert man bald den Überblick. Hier wäre ein Personenregister hilfreich gewesen. Aber am Ende steht die Erkenntnis: Wald ist mehr als Holz.

Auch Dieter hatte den Eindruck, dass die goldenen Zeiten der Holzfällerei, die Zeiten der unerschöpflichen Wälder vorbei waren. Noch immer zogen Farmer, die im Osten riesige Flächen abgeholzt, niedergebrannt und ausgesaugt hatten, in die westlichen Wälder, um dort das Gleiche zu tun, errichteten riesige Scheiterhaufen aus alten Bäumen, setzten sie in Brand und fluchten, wenn der verbrannte Boden sich als so steinig und mager erwies, dass dort nur Unkraut gedieh.

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