Buchtipp : Castle FREEMAN, Auf die sanfte Tour. (Rezension)

Castle FREEMAN, Auf die sanfte Tour.

USA/Vermont/Provinz/Roman/

 Castle FREEMAN: Auf die sanfte Tour.
Castle FREEMAN: Auf die sanfte Tour.
Sheriff Lucian Wing 1  Neu 
(All that I have., 2009)
185 Seiten, ISBN: 978-3-312-01014-1
München: Nagel & Kimche, 2017
Bewertung
Bewertung: 4 Sterne

Rezension

Soll der Sheriff gewählt werden? Eigentlich nicht.
Meint jedenfalls Sheriff Wing, der sich im Vermonter County Windham der Wahl stellen muß. Alle zwei Jahre. Er findet, den Sheriff zu wählen wäre so ähnlich wie den Piloten eines Flugzeugs zu wählen:
Das bedeutet, dass die Leute glauben, sie hätten beim Sheriff einen Hebel, den sie bei keinem anderen Polizisten haben; es bedeutet, dass sie Tag für Tag sehen wollen, wie er seine Arbeit macht.
Sheriff Wing betreibt sein Amt altmodisch: abwartend, den Ereignissen eine Entwicklung ermöglichen, nicht sofort hart durchgreifen. Als in der Villa, die offensichtlich Russen gehört, eingebrochen wird, ist bald klar, wer der Täter ist: Sean Duke, der notorische Troublemaker des Ortes. Wings Deputy Keen will Sean sofort verhaften, aber Wing will einmal abwarten. Sean hat den Russen einen kleinen Safe gestohlen, den sie unbedingt wiederhaben möchten. Und sie versuchen es auf die Oligarchentour. Wing will einfach Ruhe in seinem Wirkungsbereich haben und versucht, das Problem auf seine Art zu lösen. Keen gefällt das gar nicht, und so kandidiert er bei der Sheriffwahl gegen seinen Vorgesetzten. Der junge, dynamische Polizist gegen den alternden Sheriff.
Fazit: Castle FREEMAN, der selbst in Vermont lebt, beschwört hier eine Zeit und Vorgehensweise, die schon lange verlorengegangen zu sein scheint. Nachdenken, abwarten, beide Seiten sehen ist seine Maxime. Das Leben in diesem kleinen, überschaubaren Bundesstaat ist unaufgeregt, gemächlich, altmodisch in einem positiven Sinn. Und so soll es bleiben - denn das ist Lebensqualität.

Mit Sheriffsein kannte ich mich aus; es war so ziemlich das Einzige, womit ich mich auskannte. Aber was war Sheriffsein eigentlich? Ich fand, Sheriffsein sei das einzig Wahre: Es bedeutete, dass man den Job so gut erledigte, wie man konnte, am Montag, am Dienstag, am Mittwoch und so weiter, die ganze Woche hindurch. Sheriffsein war weich und war nie perfekt, aber der Job wurde erledigt. Das Gesetz war etwas anderes. Das Gesetz war hart. [...] Das Gesetz war beinahe das Gegenteil von Sheriffsein; es war das, was kam, wenn das Sheriffsein nichts gebracht hatte.

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