Buchtipp : Robert HARRIS, Dictator. (Rezension)

Robert HARRIS, Dictator.

Römisches Imperium/Historischer Roman/

 Robert HARRIS: Dictator.
Robert HARRIS: Dictator.
Cicero-Trilogie, Bd. 3  Neu 
(Dictator., 2015)
524 S., ISBN: 978-3-453-26871-5
München: Heyne, 2015
Bewertung
Bewertung: 4 Sterne

Rezension

Der letzte Versuch.
Cicero leidet im Exil Er wurde gedemütigt und bedroht, sein Haus niedergebrannt, sein Besitz beschlagnahmt. Wer ihn innerhalb einer 400-Meilen-Kreises um Rom unterstützt, wird als Staatsfeind bestraft. So muß er bis Griechenland fliehen und findet enflich in Thessalonica Unterschlupf. Aber die Lebensumstände sind so elend, daß er sich schließlich Caesar unterwirft. Er darf nach Rom zurückkehren, sich allerdings nicht politisch betätigen und im Senat gegen Caesar reden.
Nachdem endlich die Versammlung aller römischer Bürger die Verbannung aufhebt, kehrt er nach Rom zurück, nimmt seine Tätigkeit als Anwalt wieder auf und versucht, seinen Besitz wiederzuerlangen. Cicero kämpft noch immer um den Erhalt der römischen Republik, die im ersten Triumvirat von Pompeius, Crassus und Caesar zu unterliegen droht.
Nach Caesars Ermordung ist Cicero als pontentieller Mitverschwörer und bekannter Gegner Caesars gefährdet und muß Rom verlassen. Er bekämpft Caesars engen Vertrauten und Konsul Marcus Antonius und unterstützt zunächst Caesars Adoptivsohn Octavian, den späteren Kaiser Augustus. Für kurze Zeit sieht es so aus, als könnte Cicero die Republik retten:
Die Macht liegt im Staub und wartet darauf, dass einer den Mut hat, sie aufzuheben. Warum sollte nicht ich derjenige sein?
Aber es wird ihm nicht gelingen, die Republik ist am Ende. Der Senat ist zögerlich in seinem Kampf gegen Antonius und der Unterstützung für Octavian, und als es schließlich zum Zweiten Triumvirat, dem Zusammenschluß von Antonius, Lepidus und Octavian, kommt, wird Cicero auf die Proskriptionsliste gesetzt und ermordet.
Politik ist, so zeigt das Beispiel Ciceros, immer der Kampf um die Macht, die mit verschiedenen Deals errungen oder gehalten wird. Persönliche Freundschaften spielen wenig Rolle, Bündnisse auf Zeit, die je nach Interessenlagen geschlossen oder gebrochen werden, sind bestimmend. Denn Macht bedeutet Geld und Einfluss, und letztlich geht es scheints nur darum, die Gier zu stillen, die sich doch nie stillen lässt.
Fazit: Der letzte Teil von Robert HARRIS' Cicero-Trilogie beschreibt den letzten Lebensabschnitt des großen römischen Philosophen, Politikers und Redners Marcus Tullius Cicero, der die römische Republik und damit eine Staatsform erhalten wollte, die ihre Glanzzeit bereits hinter sich hatte. Die Spaltung der Gesellschaft, der Kampf um Macht und Geld - das alles könnte auch in der Gegenwart sich abspielen. Zwangsläufig ist der Roman gelegentlich redundant, denn Ciceros Leben, betrachtet durch seinen Sekretär Tiros, verläuft in sich wiederholenden Bahnen: Kampf, Anerkennung, Ruhm, Vertreibung. Obwohl es eine Romanbiografie ist, liegt sie mit ihren zahlreichen Quellen - Tiros' Biografie von Cicero ist leider verloren gegangen - die ziemlich nahe an der historischen Wirklichkeit.

Der Senat war fassungslos. Seit den Tagen Catos waren sie nicht mehr so beschämt worden. Am Ende brachte Cicero einen neuen Antrag ein: Jene, die für Antonius kämpfen, haben Zeit bis zu den Iden des Märzes, ihre Waffen niederzulegen. Wer danach noch in seiner Armee kämpft oder sich ihm anschließt, wird als Landesverräter betrachtet. Der Antrag wurde mit überwältigender Mehrheit angenommen. Es würde keinen Waffenstillstand, keinen Frieden, keinen Handel geben. Cicero hatte seinen Krieg.

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