Weihnachtskerzen

„Winter lässt sein graues Band / Wieder flattern durch die Lüfte; / Süße, wohlbekannte Düfte / Streifen ahnungsvoll das Land”
Eduard Mörike (1804-1875), dt. Lyriker


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LeseTipp: Ken FOLLETT, Das zweite Gedächtnis.

USA/Washington, DC/Schattenwelten/Thriller/

 Ken FOLLETT: Das zweite Gedächtnis. Ken FOLLETT: Das zweite Gedächtnis.
(Code to zero., 2000)
447 S., ISBN: 3-404-14911-4
TB 14911
Bergisch-Gladbach: Bastei-Lübbe TB, 2003

Bewertung
Bewertung: 4 Sterne

Rezension

Fast ein historischer Roman.
Ein Mann wacht Ende Januar 1958 auf der Herrentoilette der Union Station in Washington, D.C. - und weiß weder, wer er ist noch wie er dorthin gekommen ist. Er scheint ein alkoholabhängiger Penner zu sein, wie ihm ein anderer Penner, der ebenfalls dort liegt, bestätigt. Er nennt ihn Luke, erzählt ihm aber sonst nicht viel.
Bald kommt Luke zu der Erkenntnis, daß er wahrscheinlich kein Penner ist. Er weiß zu viele Dinge, interessiert sich für Raumfahrt - und mag Alkohol nicht besonders. Also war es wohl keine Flasche Bourbon, die ihn das Gedächtnis verlieren ließ.
Verzweifelt versucht Luke herauszufinden, wer er eigentlich ist. Er nutzt ihn selbst überraschende Fähigkeiten, um sich von einem Penner in ein unauffälliges Mitglied der Gesellschaft zu verwandeln. Dabei fühlt er sich verfolgt und beobachtet, kann aber die Verfolger abschütteln. Schließlich gelingt es ihm, Personen zu finden, die ihn kennen. So kann er teilweise seine Lebensgeschichte wieder lernen.
Die USA befinden sich in einem Wettkampf mit der Sowjetunion um die Eroberung des Weltalls. Zwei Sateliten haben die Russen bereits - scheinbar erfolgreich - in den Weltraum geschickt, während die Raketen der USA jedesmal kurz nach dem Start explodierten. Nun soll eine militärische Rakete endlich den gewünschten Erfolg bringen. Aber es scheint, als hätte Luke etwas entdeckt, was den Erfolg zunichte machen könnte.
Fazit: Ken FOLLETT öffnet hier eine Zeitkapsel. Er schildert die Lebensumstände, die Technik und die Verwaltensweisen in den USA am Ende der 1950er-Jahre. Und seine Darstellung geht zurück in die 1940er-Jahre, den Zweiten Weltkrieg und die strenge Moral des College-Lebens. Frauen und Männer in getrennten Häusern, wo sie sich jeweils nur in den öffentlichen Räumen aushalten dürfen. Türsperre um 22 Uhr. Verstöße können zum Studienverweis führen. Eine prüde Gesellschaft.
Aber es ist auch die Zeit der Kommunisten-Paranoia und -Verfolgung. Der Kalte Krieg, der Wettkampf der Systeme. Der Weltkrieg ist zwar vorbei, aber manche Führungskräfte der CIA, der Nachfolgeorganisation des OSS, wollen die neue Rolle und die Einhegung des Geheimdienstes nicht wahrhaben und agieren wie im Krieg - der ja auf einer anderen Ebene nicht zu Ende ist. Ein spannendes Sittenbild!
Fast ein halbes Jahrhundert später greift David Baldacci in seinen Romanen über die amerikanischen Geheimdienste diese verschrobene Moral, dieses Kriegsdenken wieder auf - und viel geändert hat sich nicht.

»Was hat letzten Endes den Ausschlag gegeben?«
Sie schnäuzte sich und wischte sich das Gesicht. »Du wirst mir nicht glauben, aber es war Guatemala.« Sie lachte kurz auf; es klang irgendwie seltsam. »Die armen Menschen dort wollten nichts als Schulen für ihre Kinder, eine Gewerkschaft, die ihnen einen gewissen Schutz bieten sollte, und eine Chance, sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Aber dadurch wäre der Bananenpreis um ein paar Cents gestiegen - und das passte United Fruit nicht! Was also tat Amerika? Wir stürzten die Regierung und setzten eine faschistische Marionette ein. Ich war damals bei der CIA und wusste daher genau, was gespielt wurde. Dass diese Geizhälse in Washington ein armes Land in die Pfanne hauen konnten, ohne dass ihnen jemand auf die Finger geklopft hätte, hat mich maßlos geärgert. Dass sie so unverfroren logen und schließlich auch noch die Presse so weit brachten, den Bürgern unseres Landes vorzuflunkern, es habe sich um einen Aufstand einheimischer Antikommunisten gehandelt... Du wirst denken, wie kann man sich darüber nur so aufregen - aber ich kann dir gar nicht sagen, wie wütend ich war.«

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