LeseTipp: Yrsa SIGURÐARDÓTTIR, Seelen im Eis.

Island/Krimi/

 Yrsa SIGURÐARDÓTTIR: Seelen im Eis. Yrsa SIGURÐARDÓTTIR: Seelen im Eis.
(Kuldi., 2012)
361 S., ISBN: 978-3-596-19533-6
TB 19533
Frankfurt: Fischer TB-Verlag, 2013

Bewertung
Bewertung: 3 Sterne

Rezension

Isländer glauben an Geister. Und an Elfen.
Wenn Yrsa Sigurðardóttir nicht ihre Anwältin Dóra Guðmundsdóttir ermitteln lässt, befasst sie sich mit unheimlichen Phänomenen. Óðinn hört Stimmen, sieht Schatten am Fenster, riecht Zigarettenrauch, wo niemand war. Durch den Tod seiner Ex-Frau Lára ist er vom Wochenendvater seiner Tochter Rún zum Alleinerzieher geworden. Lára ist aus dem Fenster gestürzt. War es ein Unfall oder hat jemand nachgeholfen? Óðinn fürchtet zunächst, selbst beteiligt gewesen zu sein, da er zum Todeszeitpunkt sturzbesoffen bei Láras Wohnung war, sich aber an nichts mehr erinnern kann. Verfolgt ihn nun Láras Geist, um sich zu rächen?
Aber auch Láras Mutter war zu dem Zeitpunkt in Láras Wohnung. Hat sie etwas mit dem Unfall zu tun? Und warum will Rún ihre Großmutter nicht sehen?
Gleichzeitig soll Óðinn einen Bericht über das Erziehungsheim Krókur verfassen und überprüfen, ob es dort in den 1970er-Jahren zu Übergriffen gekommen ist. Zwei Bewohner des Heimes starben unter nie ganz geklärten Umständen. Offiziell ein Unfall. Sie erstickten am Rücksitz eines Autos, weil der Auspuff durch Schnee blockiert war.
Yrsa Sigurðardóttir entwickelt die Geschichte, die eigentlich kein Krimi ist, parallel auf zwei Zeitebenen: zum einen in der Gegenwart, in der Óðinn Nachforschungen über das Erziehungsheim anstellt. Zum anderen zwischen Januar und Februar 1974 aus der Sicht der dort beschäftigten Aldís. Die eigentlich gute Idee verliert leider durch ihre Umsetzung. Yrsa gelingt es nicht, die Ereignisse von 1974 greifbar zu machen. Aldís bleibt es verschrecktes Huhn, ein junges Mädchen, das durchs Leben taumelt. Das wäre schon möglich, bleibt in der Schilderung aber scherenschnittartig und nicht wirklich verständlich.
Auch Óðinn taumelt durch sein Leben. Natürlich ist er als plötzlich alleinerziehender Vater überfordert. Aber auch diese Figur gewinnt nicht wirklich Tiefe.
Fazit: Der Versuch, durch ein paar unerklärliche Phänomene und verschiedene Andeutungen Spannung zu erzeugen, gelingt leider nur bedingt. Manchmal überwiegt der Ärger, weil der Versuch wie ein überdehnter Kaugummi wirkt. In dem früheren, sich ebenfalls mit geisterhaften Erscheinungen beschäftigenden Roman Geisterfjord gelingt es Yrsa Sigurðardóttir beeindruckend, eine unheimliche Atmosphäre zu schaffen und einen hohen Spannungsbogen zu halten. Der vorliegende Roman hingegen ist ihr bisher schwächster und liegt mehr bei zwei als bei drei Sternen.

Dann schaltete sie das Licht aus und hielt sich wieder die Nase zu, bevor sie zurück in den Stall ging. Als sie gerade die Tür hinter sich zuziehen wollte, sah sie aus dem Augenwinkel eine Bewegung vor dem kleinen Fenster der Kaffeestube. Aldís hielt die Luft an und wäre fast in Ohnmacht gefallen. Sie durfte jetzt nicht die Nerven verlieren! Instinktiv hatte sie die Augen zugekniffen, zwang sich aber, sie wieder zu öffnen und zum Fenster zu schauen.
Nichts zu sehen. Nur die schmutzige Fensterscheibe und die graue Fläche dahinter. Doch kurz zuvor war definitiv jemand oder etwas dort vorbeigehuscht.

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