LeseTipp: Arnaldur INDRIÐASON, Duell.

Island/Krimi/

 Arnaldur INDRIÐASON: Duell. Island Krimi. Arnaldur INDRIÐASON: Duell. Island Krimi.
(Einvígid., 2011)
430 S., ISBN: 978-3-7857-2483-5
Köln: Lübbe, 2014

Bewertung
Bewertung: 3 Sterne

Rezension

Island im Schachfieber.
Während des Kalten Krieges treffen 1972 in Reykjavík der russische Schach-Weltmeister Boris Spasski und sein amerikanischer Herausforderer Bobby Fischer aufeinander. Es ist mehr als nur ein Kampf um den Titel eines Schach-Weltmeisters, es ist ein Kampf der Systeme und Ideologien. Dementsprechend ist die Stimmung aufgeheizt, schwirren Gerüchte und Verschwörungstheorien durch die Luft. Ungewöhnlich viele Ausländer sind in der Stadt. Außerdem beabsichtigt Island, die 3-Meilen-Zone zur 50-Meilen-Zone auszuweiten, und es droht eine Auseinandersetzung mit England - der Kabeljaukrieg.
Da wird ein 15-jähriger Junge in einem kleinen Kino erstochen. Er war ein Filmfan und hat mit einem Kassettenrekorder den Ton zum Film aufgenommen, um die Filme zu Hause noch einmal erleben zu können. Marian Briem, Kriminalkommissar bei der Osloer Kriminalpolizei, ermittelt gemeinsam mit seinem Kollegen Albert. 15 Zuschauer gab es in der 17-Uhr-Vorstellung, doch auf Aufforderung der Polizei melden sich nur sieben von ihnen. Die aber haben nichts gesehen und gehört und sind eindeutig unbeteiligt.
Dann findet Mariam eine leere Packung einer russischen Zigarettenmarke vor dem Kino und es kommt der Verdacht auf, daß Ausländer an dem Mord beteiligt sein könnten. Auch das wahrscheinliche Motiv ergibt sich damit: der Kassettenrekorder, mit dem der Junge vermutlich zufällig etwas aufgenommen hatte, was er nicht hören durfte. Die einzige Frau, die in dem Film war, meldet sich schließlich und berichtet von einem Mann, der in einer Reihe hinter ihr saß und den sie in dem Hotel, in dem Spasski wohnt, wiedergesehen hat. Möglicherweise ein Russe.
Parallel zu den sehr langsam und zäh verlaufenden Ermittlungen wird die Herkunft und Jugend von Mariam Briem erzählt. Er war das uneheliche Kind einer Dienstmagd mit dem Sohn des Hauses, die wegen der Schwangerschaft verjagt wurde. Der Vaterschaft wurde niemals anerkannt. Die Mutter zieht mit Mariam auf einen Hof im Westen Islands und kommt einige Jahre später bei einem Unfall ums Leben. Marian wird von Athanasius aufgezogen, der bei der Herrschaft arbeitet. Als Marian an Tuberkulose erkrankt - einer damals sehr häufigen Krankheit in Island - wird er endlich auch von der Familie unterstützt. Er wird in ein Lungensanatorium in Dänemark geschickt und lernt dort Katrín, eine ebenfalls tuberkulosekranke Isländerin, kennen. Sie werden in den folgenden Jahrzehnten eine lose Beziehung haben.
Fazit: Kommissar Erlendur ist auf der Suche nach seinem Bruder in den Ostfjorden verschwunden, und Arnaldur Indriðason widmet sich dessen Mentor, Mariam Briem, der - bereits pensioniert - in einigen Erlendur-Romanen auftritt. Viele Unterschiede gibt es nicht: sie sind beide eher mürrische Einzelgänger - auch wenn Erlendur verheiratet war und zwei Kinder hatte - und leben im Prinzip für ihre Arbeit. Auch in der behäbig-akribischen Art der Ermittlung liegen die Unterschiede nur in den verbesserten technischen Möglichkeiten, die Erlendur zur Verfügung stehen. Ob hier der Anfang einer neuen Serie ist?
(Lesetipp: Eiseskälte)

Marian beobachtete Josef, während er die Fische an den Gestellen aufhängte, und überlegte, wie lange Isländer wohl noch an halb gedörrten Seehasen Gefallen finden würden. Der Zeitgeist stand solch altertümlichen Konservierungsmethoden ziemlich kritisch gegenüber. In der heutigen Zeit wurden so viele überlieferte Traditionen über Bord geworfen und neue setzten sich durch, ob es nun Mode, Film Essen oder das betraf, was die Leute unter Wohlstand verstanden. Und es gab mehr Luxus als je zuvor, Elektrogeräte, Autos und in den neuen Stadtvierteln Häuser mit allem möglichen Komfort.

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