LeseTipp: Arnaldur INDRIÐASON, Der Reisende.

Island/Krimi/

 Arnaldur INDRIÐASON: Der Reisende. Arnaldur INDRIÐASON: Der Reisende.
(Þýska húsið., 2015)
414 Seiten, ISBN: 978-3-7857-2597-9
Lübbe hardcover
Bergisch-Gladbach: Lübbe, 2018

Bewertung
Bewertung: 3 Sterne

Rezension

Krimi - Spionagegeschichte - Zeitbild?
1941 hat der Krieg Island erreicht. Britische Truppen haben es besetzt - Island gehörte ja zu diesem Zeitpunkt zu Dänemark - und werden nun von amerikanischen Soldaten abgelöst. Die Besatzer bringen Geld und Arbeit und verändern die gesellschaften Strukturen des armen Bauernlandes nachhaltig. Die Menschen strömen nach Reykjavík, Wohnraum ist knapp, die Frauen lassen sich mit den Soldaten ein und werden dafür scheel angesehen.
Ein Handlungsreisender wird erschossen in der Wohnung seines früheren Freundes Felix Lunden aufgefunden, und natürlich fällt der Verdacht zuerst auf ihn. Auch er war Handlungsreisender und ist nun verschwunden.
Flóvent, der einzige Kriminalbeamte der Stadt, nimmt die Ermittlungen auf. Und weil der Mord mit einer amerikanischen Militärwaffe geschah, erhält er Unterstützung von Thorson, einem Militärpolizisten mit isländischen Wurzeln.
Rudolf Lunden, der Vater von Felix, war aus Deutschland eingewandert und ein angesehener Arzt. Allerdings hatte er enge Beziehungen zum deutschen Konsul und stand der nationalsozialistischen Bewegung Islands nahe. Gemäß einer Theorie der Nazis, daß man Verbrecher frühzeitig anhand einer Reihe körperlicher Merkmale erkennen und damit eine Ausbreitung verhindern könne, führte er an einer Schule Untersuchungen an Kindern aus sozial problematischen Verhältnissen durch. Und so entstand der Verdacht, daß Felix seine Reisetätigkeit vielleicht für Spionagezwecke verwendete und die Deutschen entsprechend informierte. Denn auch die amerikanische Spionageabwehr interessierte sich für den Fall.
Fazit: Arnaldur Indriðason versucht hier den Spagat zwischen verschiedenen Genres: Eine Krimihandlung, eingebettet in das Zeitbild Islands im Zweiten Weltkrieg, versehen mit einer Prise Nazitum und Spionage. Allerdings wäre es besser gewesen, er hätte sich eindeutiger für eine Richtung entschieden. So mäandriert das Buch in einer etwas holprigen Sprache (Übersetzung?) ziemlich spannungslos vor sich hin, ohne eines seiner Themen wirklich zu packen. Es ist eine Art Vorspiel zu dem zwei Jahre früher erschienen Buch Schattenwege, in dem Flóvent und Thorson gemeinsam versuchen, einen Mord aufzuklären.

Pòlarnir war der Name einer Armensiedlung am Rande der Stadt, südlich der Snorrabraut. Sie war während des Ersten Weltkriegs für notleidende Familien errichtet worden und sollte nur eine provisorische Lösung sein, doch noch immer lebten dort über zweihundert Menschen in schäbigen Unterkünften und ärmlichen Verhältnissen. In den letzten Jahren war zwar Strom in die Holzhäuser gelegt worden, doch Wasserleitungen gab es keine, und die Häuser waren aus minderwertigem Material gebaut, schlecht isoliert und daher im Winter eiskalt. Die Siedlung bestand aus vier Häuserzeilen, im Karree gebaut, in der Mitte standen ursprünglich Plumpsklos für die Bewohner. Als einfacher Polizist war Flóvent oft in die Pólarnir-Siedlung gerufen worden, weil es dort nachts und am Wochenende regelmäßig Probleme mit alkoholisierten Leuten und Schlägereien gab. Josep und Rikki waren hier aufgewachsen, und soweit Josep wusste, wohnte Rikkis Mutter immer noch dort.

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