LeseTipp: Lamar CECIL, Albert Ballin.

Albert Ballin/Biografie/

 Lamar CECIL: Albert Ballin. Wirtschaft und Politik im deutschen Kaiserreich, 1888 - 1918. Lamar CECIL: Albert Ballin. Wirtschaft und Politik im deutschen Kaiserreich, 1888 - 1918.
(Albert Ballin. Business and politics in Imperial Germany, 1888 - 1918., 1967)
335 S., ISBN:
Hamburg: Hoffmann und Campe, 1969

Bewertung
Bewertung: 4 Sterne

Rezension

Ähnlich wie Eberhard Straub zeichnet auch Lamar Cecil die Person Alfred Ballin vor dem Hintergrund der Wirtschafts- und Militärgeschichte der Wilhelminischen Ära. Denn der Lebensweg der Person, die großen Einfluß auf die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands (und einen eher geringen auf die Politik und das Militär) hatte, ist ohne die Dynamik dieser Epoche so nicht vorstellbar.
Ein Schwerpunkt des Buches ist die Konkurrenz zwischen England und Deutschland, die sich in einem Wettrüsten der Handels- und Kriegsflotte äußerte. Deutschland, bei der Verteilung der Kolonien zu kurz gekommen, da noch nicht vorhanden, versuchte diesen Nachteil einerseits durch massive Investitionen in die Handelsschifffahrt zu kompensieren. Andererseits wurde auch die Kriegsflotte verstärkt, um den Handelsschiffen notfalls den Rücken stärken zu können. Damit geriet es natürlich in Konflikt mit Frankreich, aber auch mit England.
Ballin, der die Konkurrenz der Handelsflotten zwischen Deutschland und England begründete und im Interesse der HAPAG beförderte, versuchte dennoch immer den Ausgleich zwischen den beiden Mächten herzustellen, und vor allem im Bereich der Kriegsflotte zu einer Übereinkunft zu kommen. Denn ihm war schon früh klar, daß ohne ein Übereinkommen mit England der Krieg drohte. Hier scheiterte Ballin, der Krieg, der als Erster Weltkrieg in die Geschichte einging, zerstörte sein Lebenswerk und am Ende ihn selbst.
Fazit: Lamar Cecil legt hier anhand der Person Albert Ballin eine umfassende Wirtschafts- und Sozialgeschichte Deutschlands am Beginn des 20. Jahrhunderts und eine hochinteressante Studie der Wirtschaft, Politik und des Militärs der Wilhelminischen Epoche vor. Erfreulicherweise verzichtet er auf das Pathos und die Überhöhung dieser Zeit, wie es bei Straub zu finden ist.

Ob Ballin die Absicht hatte, seinem Leben durch die Einnahme von Schlaftabletten ein Ende zu setzen, bleibt ein Geheimnis. Seine Freunde waren in ihrer Auffassung geteilt, ob es sich um einen natürlichen Tod oder einen Selbstmord handelte. Was an Zeugnissen zur Verfügung steht, läßt darauf schließen, daß Ballin, als er die Tabletten zu sich nahm, lediglich den Wunsch hatte, seine erregten Nerven zu beruhigen. ... Aber sein in vier langen Kriegsjahren durch nervöse Depressionen ausgehöhlter und dann durch eine Überdosis von Tabletten beanspruchter Körper war schließlich einfach nicht mehr imstande, den Belastungen standzuhalten.
Auf jeden Fall war der Zeitpunkt für seinen Abschied angemessen. Ballin selbst hatte einmal gesagt, er verspüre nicht den Wunsch zu überleben, um in einer neuen und erschreckend andersartigen Welt weiterzuarbeiten. Sein Lebenswerk war vernichtet, die HAPAG zerstört und Deutschland besiegt.

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