LeseTipp: Ragnar JÓNASSON, Schneebraut.

Island/Krimi/

 Ragnar JÓNASSON: Schneebraut. Ragnar JÓNASSON: Schneebraut.
(Snjóblinda., 2010)
336 S, ISBN: 978-3-651-00022-3
Bern usw.: Scherz, 2011

Bewertung
Bewertung: 4 Sterne

Rezension

Ari Þór Arason hat nach einem erfolglosen Studium der Philosophie und Theologie die Polizeischule absolviert und bekommt einen Posten in Siglufjörður angeboten, einem 1300-Seelen-Dorf in Nordisland, nur auf einer engenStraße und durch einen schmalen Tunnel erreichbar. Im Winter muß die Straße oft gesperrt werden, was in Ari, der seinen Posten im Spätherbst dort antritt, klaustrophobische Gefühle auslöst. Die Beziehung zu seiner Freundin Kristín bröselt, denn sie war nicht mit seiner Arbeitsplatzwahl einverstanden.
Ari bleibt ein Fremder an diesem Ort, jeder kennt ihn zwar, will ihn aber nicht erkennen, und er selbst kennt niemanden. Kontakt findet er nur zu Ugla, ebenfalls eine Zugezogene, die zunächst im Haus des ehemals berühmten Schriftstellers Hrólfur Kristjánsson wohnt. Nach ihrem Umzug in eine andere Wohnung gibt sie Ari Klavierstunden, und die beiden kommen einander näher.
Hrólfur ist Leiter des Stadttheaters, einer Laienbühne. Kurz vor der Premiere des diesjährigen Stückes stürzt Hrólfur eine Treppe im Theater hinunter. War es ein Unfall - oder hat jemand nachgeholfen? Denn nach und nach lernt man die Beziehungen und Verstrickungen derer kennen, die an diesem Theaterstück mitwirken, und es sind nicht nur freundschaftliche Beziehungen.
Ari hat Zweifel an dem Unfall, aber der Polizeichef will den Fall nicht weiter untersuchen. Dann allerdings wird eine Frau im Schnee ihres Gartens gefunden, mit Verletzungen von einem Messer und schon beinahe tot. Nun also gibt es tatsächlich einen Mord. Und während Unmengen von Schnee vom Himmel fallen und der Ort von der Außenwelt abgeschnitten ist, beginnen die Ermittlungen, die in die Vergangenheit führen.
Fazit: weniger ein Krimi als vielmehr das Psychogram einer Gruppe von Menschen, die sich aus sehr unterschiedlichen Motiven in diesen abgelegenen Ort zurückgezogen haben. Psychologisch gut konzipiert, klaustrophobisch und spannend. Ein gelungenes Krimidebüt.

Er hörte die Neuingkeiten der Nacht nicht vor Mittag, als er das Radio einschaltete. Es überwältigte ihn förmlich, als er von der Lawine erfuhr. Keiner war unter ihr begraben worden, zum Glück - sie war auf die Straße auf der anderen Seite des Berges gefallen und hatte den einzigen Zugang zum Dorf versperrt, der gleichzeitig auch der einzige Weg aus dem Dorf heraus war. Jetzt käme niemand auf dem Landweg weder hinein noch heraus - und der Seeweg war kaum eine Option. Es war, als ob in diesem Moment, bei diesen Neuigkeiten, alle Kraft aus ihm wich. Er versuchte, ruhig zu atmen, aber es nützte nichts, sein Herz raste.

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