Weihnachtskerzen

„Winter lässt sein graues Band / Wieder flattern durch die Lüfte; / Süße, wohlbekannte Düfte / Streifen ahnungsvoll das Land”
Eduard Mörike (1804-1875), dt. Lyriker


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LeseTipp: Peter CACHOLA SCHMAL [Hrsg.], Island und Architektur?

Island/Architektur/Architekturführer/

 Peter CACHOLA SCHMAL [Hrsg.]: Island und Architektur? Peter CACHOLA SCHMAL [Hrsg.]: Island und Architektur?
256 S, ISBN: 978-3-86859-121-7
Berlin: Jovis Verlag, 2011

Bewertung
Bewertung: 4 Sterne

Rezension

Das Fragezeichen im Titel weist schon auf diesen offensichtlichen Widerspruch hin: wie kann es in einem Land, dessen älteste erhaltene Bauwerke aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stammen, Architektur geben? Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen gibt es in Island eine relativ große Anzahl an Architekten und architektonisch interessanten Bauwerken - überwiegend natürlich aus dem 20. Jahrhundert.
Pétur H. Ármannsson beschäftigt sich in seinem Essay "Die Berge sind ihre Schlösser" mit der Geschichte und den Grundformen der isländischen Architektur, die er in den - materialbedingt kurzlebigen - Torfhäusern sieht - perfekt in die Landschaft integrierte funktionelle Gebäude. Diesen Funktionalismus mit den Besonderheiten und Ausprägungen der isländischen Natur in eine Verbindung zu bringen war und blieb das Ziel der isländischen Architekten - erleichtert und erschwert gleichzeitig durch die Tatsache, daß die Ausbildung zum Architekten bis vor nicht langer Zeit nur im Ausland möglich war.
Die übrigen Beiträge des Bandes sind Gespräche, die der Herausgeber mit führenden Architektinnen und Architekten sowie in den Architekturprozess involvierten Personen im Rahmen von Sagenhaftes Island geführt hat. Schwerpunkt dieser Gespräche sind die Zukunft und Positionierung der Architektur in Island nach der Finanzkrise von 2008. In ihrer Folge wurde die einzige Architektursammlung des Landes im "Reykjavík Art Museum" geschlossen und die einzige Architekturkuratorin gefeuert. Die bisher überwiegend privatwirtschaftlich finanzierte Bautätigkeit brach ein, als die Auftraggeber pleite gingen, und die Architekten verloren weitgehend ihre Arbeitsgrundlagen. Eine der Strategien, um in dem weitaus kleiner gewordenen Umfeld zu überleben, ist der Weg zu einer neuen isländischen Bescheidenheit mit kleinen Lösungen im Zusammenhanh mit der natürlichen Ressource Islands, dem Thermalwasser.
Hervorzuheben ist vielleicht das Gespräch mit Hjálmar Sveinsson, der ursprünglich Journalist und Herausgeber eines kleine Verlages war und 2010 in die Politik wechselte. Als Stadtrat von Reykjavík ist er nun für Stadtplanung, Umwelt und Verkehr und den Hafenbereich zuständig und sieht sich von der anderen Seite her mit all den Problemen und Entwicklungen konfrontiert, die er als Journalist massiv kritisiert und bekämpft hatte. "Man entdeckt natürlich, wenn man in die Politik kommt, dass es kein unberschriebenes Blatt mehr gibt. Wir kommen in eine Situation, wo sehr viele Entscheidungen bereits gemacht wurden, und daran sind wir irgendwie gebunden. ... Die Rechte der Privateigentümer, der Investoren sind bei uns schon sehr stark."
Fazit: Ein sehr informatives Buch zu einem Thema, von dem man bisher eigentlich nicht einmal wusste, daß es ein Thema ist. Vielleicht wäre der Ertrag noch größer, wenn es statt der Interviews schriftliche Beiträge der Interviewpartner gegeben hätte.

Zuvor habe ich die Bescheidenheit der isländischen Saga-Autoren gepriesen dass wir gar nicht wissen, wer die Autoren waren - vielleicht war das falsch. Vielleicht sollten isländische Architekten beginnen, ihre Gebäude zu signieren, sodass sie ihre Autorschaft reklamieren können. ... Island ist kein Architekturland, es ist vielmehr ein Land der Ingenieure. (Sigurdur Gunnarsson)

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