LeseTipp: Yrsa SIGURÐARDÓTTIR, Das gefrorene Licht.

Island/Krimi/

 Yrsa SIGURÐARDÓTTIR: Das gefrorene Licht. Yrsa SIGURÐARDÓTTIR: Das gefrorene Licht.
(Sér grefur gröf., 2006)
396 S, ISBN: 978-3-596-17599-4
TB 17599
Frankfurt: Fischer TB-Verlag, 2008

Bewertung
Bewertung: 4 Sterne

Rezension

Jónas, Besitzer eines Esoterik-Hotels auf der Halbinsel Snæfellsnes, beauftragt die Rechtsanwältin Dóra Guðmundsdóttir, die ihn schon beim Kauf des Anwesens vertreten hatte, mit den Vorbesitzern Preisminderungsverhandlungen aufzunehmen, da es auf dem Grundstück spuke. Das Weinen eines Kindes sei zu hören, und er hätte es auch schon im Spiegel gesehen. Dóra glaubt zwar nicht an Spuk, fährt aber hin, um sich die Sache anzusehen.
Kurz nach ihrer Ankunft wird die Leiche der Architektin Birna gefunden, brutal vergewaltigt, erschlagen und mit Stecknadeln in den Fußsohlen. Sie hatte ein Verhältnis mit Jónas und mit Bergur, einem Bewohner aus der Nachbarschaft. Der hat auch die Leiche gefunden. Außerdem stellt sich heraus, daß sich Birna sehr für die Geschichte der beiden Höfe, die früher auf dem Grundstück standen, interessiert hat.
Die beiden Höfe hatten ursprünglich in den 40er Jahren den Brüdern Bjarni und Grímur gehört, die sich jedoch nach einem frühen Kindstot in der Familie Bjarnis zerstritten. Als Bjarni bankrott geht, kauft Grímur dessen Hof, läßt ihn aber weiter dort wohnen. Bjarnis Frau stirbt an Tuberkolose, er selbst geht nach Reykjavik und stirbt bald danach. Und dann gibt es noch seine Tochter Kirstín, die verschwunden ist und von der niemand etwas weiß - und die angeblich vor dem Hotel spukt.
Es ist ein recht komplexes Gespinnst aus Abhängigkeiten und Interessen, das hier aufgebaut wird. Und zusätzlich gibt es noch einen bekannten alten Politiker, der in seiner Jugend mit den Nationalisten (einer Art isländischer Nazis) sympathisiert hatte - ein Schatten, der auf seinen Enkel, einem aufstrebenden Jungpolitiker, fallen könnte, denn Birna hat scheints davon gewußt.
Viele Verdächtige also. Und bald darauf wird auch noch der Hellseher des Hotels in Bergurs Pferdestall gefunden, von seinem Hengst zu Tode getrampelt und ebenfalls mit Stecknadeln in den Fußsohlen.
Fazit: Yrsa gelingt hier ein vielleicht nicht übermäßig spannender und ruhiger Krimi, in dem man einiges über die Geschichte und Lebensumstände im Island der 30er und 40er Jahre des 20. Jahrhunderts erfährt - sehr lesenswert!

Dóra lächelte im Stillen, als sie ein leises Kinderweinen aus der Lava neben dem Friedhof hörte. Der ungezogene Kater, dachte sie, aber dann fiel ihr ein, dass sie den besagten Kater gesehen hatte, als sie an Tunga vorbei zum Friedhof gefahren war. Er hätte in so kurzer Zeit niemals bis hierher laufen können. Das Weinen wurde immer klagender...

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