LeseTipp: Werner WASSMANN [Hrsg], Cruise Liner in Hamburg 2020.

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 Werner WASSMANN [Hrsg]: Cruise Liner in Hamburg 2020. Das maritime Jahrbuch aus der Hansestadt. Werner WASSMANN [Hrsg]: Cruise Liner in Hamburg 2020. Das maritime Jahrbuch aus der Hansestadt.   Neu 
(zuerst 2006), 210 S., ISBN: 978-3-9821036-0-0
14. Jahrgang
Hamburg: Eurocaribe Druck und Verlag, 2020

Bewertung
Bewertung: 4 Sterne

Rezension

Hamburg verliert Kreuzfahrer.
Von 900.000 Passagieren im Jahr 2018 ging 2019 die Zahl auf 810.000 zurück. Immer noch beachtlich, aber angesichts eine boomenden Branche verwunderlich. An der Infrastruktur der Stadt kann es wohl nicht liegen. Drei Cruise Center - Steinwerder, Altona, HafenCity - stehen den Schiffen zur Verfügung. Allerdings verringerte sich die Zahl der anlaufenden Schiffe von 50 auf 41 - 2020 werden es 45 sein. Und die Zahl der Reiserouten stieg von 2018 auf 2019 von 202 auf 225 Reiserouten, 2020 werden es 223 sein.
Interessant sind wie immer die Reportagen und Hintergrund-Informationen zum Thema Hamburg und Kreuzfahrten:
- Kreuzfahrtschiffe werden heute im Blockbau-Prinzip gebaut. Wie Legosteine werden aus vielen kleinen Stahlteilen Paneele, Sektionen zu am Ende riesigen Blöcken zusammengesetzt. So etwa bei der Meyer-Werft in Papenburg.
- Beim alten Elbtunnel, auch ein architektonisches Juwel, ist nun auch die Renovierung der Oströhre abgeschlossen und erstrahlt in neuem Glanz.
- Die Tradition des Erst-Empfangs neuer Schiffe mit den Wasserfontänen der Hafenfeuerwehr wird gewürdigt.
- Die Beschreibung der möglichen Hafenrundfahrten im Hamburger Hafen macht Gusto.
- Müllentsorgung auf See und im Hafen - eigentlich Müll-Management - ist ein wichtiger Beitrag zum Umweltschutz.
- Nicht alle Passagiere und Besatzungsmitglieder finden Platz in den Rettungsbooten! Das klingt erschreckend, aber seit der "Titanic"-Katastrophe von 1912 gibt es entsprechende Sicherheitsvorschriften für die Schifffahrt: 125% der maximal zulässigen Anzahl von Personen an Bord müssen in Rettungsbooten oder -inseln Platz finden. Die Reportage beschreibt die eher unbekannte Funktionsweise der Rettungsinseln - also keine Panik!
Nach dem vierseitigen Panoramabild aus dem Hafen werden alle 45 Hamburg anlaufenden Schiffe auf 2-4 Seiten mit zahklreichen Fotos beschrieben. Man merkt die abnehmende Inspiration: zu viele Schiffe laufen über die Jahre Hamburg immer wieder an, und vor allem die neueren Schiffe werden immer gleichförmiger. Hier kommt es auch zu Flüchtigkeitsfehlern, wenn etwa beim Reisebeispiel der Preis für die Innenkabine angeführt wird, obwohl das Schiff gar keine Innenkabinen hat. Die durchaus interessante Angabe der letzten Werftzeit fehlt - allerdings schon seit 2019, weil die Reedereien diese Angabe kaum noch zur Verfügung stellen.
Die AIDA-Schiffe stellen acht der 45 beschriebenen Schiffe. Hier hätte man sich die Herausarbeitung der Unterschiede gewünscht. Warum zB. Kostet eine 12-tägige Reise mit der AIDAaura 3990 Euro, eine 14-tägige mit der AIDAcara aber nur 1445 Euro? Oder warum kostet eine Vier-Nächte-Kurzfahrt auf der AIDAdiva 1220 Euro, auf der AIDAluna aber nur 750 Euro? Richtigstellung durch den Herausgeber: "Bei den Schiffsporträts ist uns bei den Reisepreisen 3990 Euro statt 1995 Euro und 1220 Euro statt 685 Euro reingerutscht. Leider etwas unaufmerksam. Im hinteren Teil beim Kreuzfahrtplaner sind die Angaben korrekt."
Gerade weil die Schiffe immer wiederkommen und immer gleicher werden, erscheint ein Wechsel von einer reinen Beschreibung zu einem gewissen Vergleich angebracht. Natürlich kann das Jahrbuch nicht mit dem Berlitz-Guide von Douglas Ward mithalten, aber nur eine PR-mäßige Darstellung ist auf Dauer etwas zu wenig.
Nett ironisch, wenn auch wahrscheinlich unbeabsichtigt, ist die Beschreibung der AIDAvita ausgefallen: "Ihre Ausstattung mit viel Holz lässt noch echte maritime Atmosphäre aufkommen: Man fühlt sich in jedem Moment wie auf einem echten Schiff."
Fazit: Der Kern des Jahrbuchs und teilweise auch die Hauptmotivation, es zu kaufen, ist einerseits die Übersicht über die Liegezeiten der Schiffe nach Monat, Tag, Zeit und Cruise-Center. Zum anderen ist es die Übersicht über die 223 Kreuzfahrten von, nach und über Hamburg. Hier kommt beim schmökern durchaus die Lust auf eine eigene Kreuzfahrt auf. Und vielleicht gibt es in der nächsten Ausgabe Beiträge auch zu den Schattenseiten des Kreuzfahrtourismus ("Overtourism"). Interessant wäre auch der Versuch, der Frage nachzugehen, warum Menschen in immer größeren Schiffen verreisen wollen…

Was macht das Reisen auf den Weltmeeren so besonders? Fantastische Ausblicke in die endlose Weite der See, viel Komfort, herausragender Service, hervorragendes Essen? Ich persönlich empfinde auch die Internationalität der Gäste als eine große Bereicherung. Zwar lässt sich derzeit auch ein Trend zu deutsch geprägt und betreut beobachten. Aber, internationale Bordatmosphäre, als Deutscher ein „Exot" unter den Gästen zu sein, das ist doch herrlich und tut gar nicht weh. Der ursprüngliche Gedanke von Kreuzfahrt, Land und Leute kennenzulernen kann doch gerne gleich an Bord geschehen. (Maik A. Schlüter, Oceania Cruises)

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