LeseTipp: Andrea CAMILLERI, Das kalte Lächeln des Meeres.

Montalbano/Sizilien/Krimi/

 Andrea CAMILLERI: Das kalte Lächeln des Meeres. Commissario Montalbanos siebter Fall. Andrea CAMILLERI: Das kalte Lächeln des Meeres. Commissario Montalbanos siebter Fall.
(Il giro di boa., 2003)
283 S., ISBN: 3-404-92193-3
Commissario Montalbano 7
Bergisch-Gladbach: Bastei-Lübbe TB, 2005

Bewertung
Bewertung: 3 Sterne

Rezension

Montalbanos Rache.
Commissario Montalbano ist eher zufällig bei der Ankunft von zwei Booten mit Flüchtlingen am Hafen. Aus der aussteigenden Menge löst sich ein etwa sechsjähriger Junge und versucht, davonzulaufen und sich zu verstecken. Montalbano kann ihn aufspüren und bringt ihn zu seiner Mutter - wie er annimmt - zurück. Ein paar Tage später wird der Junge tot am Straßenrand in einer abgelegenen Gegend gefunden. Vermutlich ein Unfall mit Fahrerflucht. Ein Bauer hat den Vorfall jedoch beobachtet und vermutet Absicht im Verhalten des Fahrers.
Von einem Journalisten, der sich mit Flüchtlingen und Schlepperbanden befasst, erfährt Montalbano, daß der Junge vermutlich ein "unbegleiteter Minderjähriger" war, der von den Schleppern nur zum Schein einer Frau zugeordnet worden war. Dahinter steht eine Organisation, die Kinder und Jugendliche nach Italien schleußt, um sie hier an Pädophile oder andere einschlägige Kreise zu verkaufen. Denn es wird weiter nicht registriert und kümmert auch niemanden, wenn diese einfach verschwinden.
Montalbano glaubt, es dem Jungen schuldig zu sein, und beginnt einen persönliche Rachefeldzug gegen den sizilianischen Zweig dieser Schlepperorganisation. Und gerät dabei selbst in Bedrängnis.
Fazit: Montalbano tut genau das, was er seinen Kollegen in Genua (Übergriffe beim G8-Gipfel) vorgeworfen hat und sogar seine Kündigung einreichen wollte. Er nimmt das Recht selbst in die Hand und wird Ankläger, Richter und Vollstrecker in einer Person. Auch wenn er hier der "gute" Cop ist, verletzt er grundsätzliche rechtsstaatliche Verfahrensregeln.
Die Annahme, der Junge habe sein Schicksal erahnt und hätte deswegen versucht zu fliehen, ist absurd. Wissen doch selbst die Erwachsenen nicht, was sie tun. Sie glauben, in Europa willkommen zu sein, erwartet zu werden. Hier würden Milch und Honig fließen und ihnen eine neue Existenz ermöglichen. Im besten Fall dürfen sie kapitalistische Reservearmee spielen und die Löhne der Modernisireungsverlierer noch ein wenig drücken. Gebraucht werden sie nicht.

Ein Staatsanwalt aus Triest hat kürzlich eine Unmenge abgehörter Telefongespräche erfasst, in denen vom Ein- und Verkauf von Ausländerkindern zur Organentnahme die Rede war. Es gibt sehr viele Anfragen für Transplantationen, und sie nehmen ständig zu. Andere Minderjährige werden Pädophilen zur Verfügung gestellt. Sie müssen bedenken, dass mit einem solchen Kind, das allein ist, das hier keine Verwandten und auch sonst niemanden hat, gegen sehr hohe Summen eine extreme Art von Pädophilie ausgeübt werden kann.

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