LeseTipp: Andrea CAMILLERI, Der Kavalier der späten Stunde.

Montalbano/Sizilien/Krimi/

 Andrea CAMILLERI: Der Kavalier der späten Stunde. Commissario Montalbanos sechster Fall. Andrea CAMILLERI: Der Kavalier der späten Stunde. Commissario Montalbanos sechster Fall.
(L'odore della notte., 2001)
253 S., ISBN: 3-404-90142-9
Commissario Montalbano 6
Bergisch-Gladbach: Bastei-Lübbe TB, 2003

Bewertung
Bewertung: 4 Sterne

Rezension

Wieso kann Salvo Montalbano so viel essen?
Manchmal hat man den Eindruck, das Hauptanliegen Montalbanos ist, viel und gut zu essen. Dreigängige Menüs Mittags und Abends sind die Regel. Aber was einem Mitteleuropäer als unmäßig erscheint, ist in Sizilien wohl nur Durchschnitt.
Dazwischen findet er überraschenderweise auch noch Zeit, Kriminalfälle aufzuklären. Die ihn eigentlich gar nichts angehen, denn der Questore hält Montalbano für unfähig und von den großen Fällen fern. Und diesmal, so scheint es, will er sich Montalbanos entledigen.
Emanuele Gragano, der "Magier der Finanzen", hat die Bewohner von Vigàta (und anderer Orte in Sizilien) um ihre Ersparnisse gebracht. Für Einlagen versprach er ihnen 15-20% Rendite. Drei Mal zahlte er sie auch aus - was seinen Geldzufluß ordentlich vermehrte -, aber zum vierten Termin kommt er nicht und bleibt verschwunden. Vermutlich auf eine schöne Südseeinsel geflüchtet, wo er sich mit dem Geld ein schönes Leben macht, vermutet Montalbano.
Kurz vor Gragano ist auch Giacomo Pellegrino, einer seiner Mitarbeiter im Büro in Vigàta, verschwunden - angeblich auf Dienstreise in Deutschland. Interessanterweise hat er sich, obwohl sein Gehalt nicht üppig war, eine schöne Villa gebaut. Und schließlich stellt sich heraus, daß Gragano und Pellegrino eine homosexuelle Beziehung hatten. Aber was hat das alles mit dem Verschwinden von Gragano zu tun?
Fazit: Andrea Camilleri vermischt seine bekannten Zutaten für einen neuen Fall: ein mißlauniger Montalbano mit viel Appetit, das gewohnte Personal des Kommissariats in Vigàta, und seine Dauerfreundin Livia macht die üblichen Szenen. Und doch hinterlässt dieser Roman einen gelungeneren Eindruck.

Man sah Zitos erstauntes Gesicht. Anscheinend konnte er sich schlecht vorstellen, wie ein Zahnstocher zu einer tödlichen Waffe werden konnte.
Montalbano schaltete den Fernseher aus.
Zu diesen Waffen, mein lieber Guarnotta, dachte er, gehörst auch du, gehören auch Richter, Polizisten und Carabineri, die die Mafia sehen, wenn sie nicht da ist, und sie nicht sehen, wenn sie da ist.
Aber er hatte keine Lust, sich aufzuregen. Er stand auf. Sein Kabeljau wartete.

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