Weihnachtsbaum

„Winter lässt sein graues Band / Wieder flattern durch die Lüfte; / Süße, wohlbekannte Düfte / Streifen ahnungsvoll das Land”
Eduard Mörike (1804-1875), dt. Lyriker


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LeseTipp: Magdalen NABB, Tod einer Verrückten.

Maresciallo Guarnaccia/Toskana/Florenz/Krimi/

 Magdalen NABB: Tod einer Verrückten. Magdalen NABB: Tod einer Verrückten.
(The marshal and the madwoman., 1988)
316 S., ISBN: 3-257-22978-X
Maresciallo Guarnaccia 6
Zürich: Diogenes TB-Verlag, 1997

Bewertung
Bewertung: 4 Sterne

Rezension

Mancher Eindruck täuscht.
Es ist August in Florenz, wenige Tage vor Ferragosta, dem wichtigsten Feiertag in Italien. Alle Welt ist an den Stränden, die Städte sind ausgestorben, die meisten Geschäfte und Lokale geschlossen. Und es ist erdrückend heiß.
Maresciallo Guarnaccia und seine Frau sind in der Stadt geblieben. Er hatte seinen Urlaub im Juli, und seine beiden Söhne sind noch in Sizilien. Die Carabinieri sind unterbesetzt. Zufällig gerät Guarnaccia auf einem Platz im Stadtviertel San Fernando in eine verbale Auseinandersetzung zwischen einer älteren Frau und anderen Bewohnerinnen des Platzes. Wahrscheinlich wegen der Hitze droht die Auseinadersetzung zu eskalieren. Aber schließlich gibt Clementina, die alle anderen beschimpft hatte, auf, und es kehrt wieder Frieden ein. Aber einige Tage später wird sie ermordet aufgefunden.
Clementina gilt als Verrückte, da sie wie besessen versucht, den Platz immer wieder mit ihrem Besen zu reinigen. Sie wird verspotet und oft provoziert. Aber da sie bitterarm ist, wird sie von den Anrainern auch versorgt. Und sie lässt sich nichts gefallen. Wer aber könnte Interesse daran gehabt haben, diese arme Frau zu töten? Guarnaccia findet heraus, daß ein Fremder bei ihr und der Wohnung war, und daß es einen Streit um die Wohnung geben hatte. Und nach und nach kann er auch das Rätsel um die fehlenden Erinnerungsfotos lösen und erfährt von Clementinas früherem Leben und einem schrecklichen Ereignis, das eng mit dem Hochwasser von 1966 verbunden ist. Und da täuscht auf einmal das Bild der Verrückten.
Fazit: Magdalen Nabb legt in diesem Roman den Finger auf ein Thema, das im Italien der 1980er-Jahre eine große Rolle spielte. Die Nervenheilanstalten wurden mit einem Schlag abgeschafft und geschlossen, die Patienten den Familien übergeben oder einfach auf die Straße gesetzt. In der Nähe von Florenz gab es noch eine von Freiwilligen betriebene Anstalt, in der einige Patienten Zuflucht gefunden hatten, für die es sonst keinen Ort gab. Und sie beschreibt auch eindringlich die Flutkatastrophe von 1966, die einige Tote forderte und zahlreiche Teile der Stadt verwüstete. Hier verknüpft sie diese beiden Ereignisse, deren Opfer die scheinbar Verrückte ist.

Als Kind zu Hause im Süden hatte er Bauernfamilien gekannt, die nicht genügend zu essen hatten und garantiert keinen Fotoapparat besaßen, aber selbst die hatten Fotografien von jeder Erstkommunion und jeder Hochzeit. Mag sein, daß Clementina verrückt war, aber für seine Begriffe reichte das als Erklärung nicht aus. Das Problem war, sobald ein Mensch einmal als verrückt abgestempelt war, wurde alles, was er tat oder sagte, damit gerechtfertigt. .... Nein, ihn überzeugte das nicht. Es überzeugte ihn nicht, weil jemand sie umgebracht hatte. Man bringt keine Frau um, nur weil sie ein bißchen verquer ist und nach Einbruch der Dunkelheit die Straße putzt. Man bringt sie aus einem triftigen Grund um, der vermutlich nichts mit ihrer Verrücktheit zu tun hat.

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