LeseTipp: Sabine WEIß, Das Geheimnis von Stralsund.

Mecklenburg-Vorpommern/Stralsund/Rügen/Historischer Roman/

 Sabine WEIß: Das Geheimnis von Stralsund. Sabine WEIß: Das Geheimnis von Stralsund.   Neu 
623 S., ISBN: 978-3-404-17146-0
Bergisch-Gladbach: Bastei-Lübbe TB, 2014

Bewertung
Bewertung: 4 Sterne

Rezension

Einquartierung - Belagerung - Krieg: Leben während des Dreißigjährigen Krieges in Stralsund.
Sina verlebt eine beschauliche Jugend in einem Dorf der Halbinsel Mönchgut auf Rügen. Ihr Vater Gideon ist Schiffer und ermöglicht seiner Frau Ebba und Sinas fünfjähriger Schwester Dorthie ein gesichertes Leben. Sina träumt davon, einmal auf einem Schiff mitzufahren und es vielleicht sogar zu steuern. Sie teilt die Begeisterung für das Meer mit ihrem Vater. Und sie hat ein kleines Boot, das sie am Ufer gefunden hat, selbst wieder instandgesetzt.
Doch 1628 erreicht der Dreißigjährige Krieg auch das beschauliche und dünn besiedelte Rügen. Truppen des Habsburgers Ferdinand II., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und Erzherzog von Österreich, werden auf Rügen einquartiert, da Stralsund sich erfolgreich gegen eine Einquartierung wehrte. Bald kommt es zu Plünderungen und Übergriffen auf die Bevölkerung.
»Nicht rauben, niemanden beleidigen, kein Geld erpressen« - nichts davon wurde eingehalten. Die Täter blieben meist ungestraft. Allen auf Rügen schien es schlecht zu gehen, nur den Obersten nicht.
Als marodierende Soldaten in Sinas Elternhaus eindringen, können Sina und ihre Schwester gerade noch mit Sinas Boot fliehen. Ihre Mutter wird getötet, der Vater ist mit seinem Schiff unterwegs.
Unterwegs auf See geraten Sina und Dorthie in einen Sturm und werden gerade noch von Leif, Erster Steuermann auf dem Schiff des Trunkenbolds Pit Skaap, gerettet. In Stralsund wendet sich Sina, wie von ihrer Mutter geraten, an den Adeligen David von Garlstorp. Ihn und ihre Mutter verband ein Geheimnis, das Sina gerne lösen möchte.
Doch Stralsund erweist sich als nicht sicherer Zufluchtsort. Denn der Rat verwehrt den Kaiserlichen Truppen die Einquartierung, und so wird die Stadt belagert. Albrecht von Wallenstein, Herzog von Friedland und Mecklenburg, will die Stadt unbedingt erobern. Doch Stralsund kann wegen seinem nicht kontrollierbaren Zugang zum Meer nicht ausgehungert werden. Wallenstein greift die Stadt immer wieder an, aber es gibt auch Waffenstillstand und Verhandlungen. Als schließlich schwedische Truppen eintreffen, muß Wallenstein aufgeben und sein Heer zurückziehen. Es war seine erste Niederlage.
Fazit: Sabine WEIß geht über den üblichen Topos historischer Romane von Autorinnen - starke Frau setzt sich gegen die Klassenschranken ihrer Zeit durch und kann den geliebte Mann heiraten - hinaus. Sie beschreibt sehr nachdrücklich, was Einquartierung und Belagerung im 17. Jahrhundert für die durchschnittlichen Menschen bedeutet hat. Die Hilf- und Rechtlosigkeit, die Gewalt, die Zerstörung der Lebensgrundlagen geht weit über die auch traumatischen Erfahrungen etwa im Zweiten Weltkrieg hinaus. Landsknechte - heute würde man sie Söldnertruppen nennen - waren auch bei gutem Willen kaum disziplinierbar, da sie sich in der Regel aus dem Land ernähren mussten.
Knapp 4 Sterne, weil teilweise etwas langatmig.

Sina korrigierte den Kurs des Schiffes ein wenig, bis es Seite an Seite mit der Ebba lag. Sogleich sagte sie an, dass der Anker geworfen werden könnte. Es fiel ihr noch immer schwer, Befehle zu geben, auch wenn es ihr Schiff war.
Als die Kette ratterte und das Eisen langsam gen Meeresgrund sank, trat sie an die Reling und ließ ihren Blick über die Küstenlinie von Mönchgut schweifen. Nur zaghaft hatte frisches Grün die Verwüstungen bedeckt, die die Söldner angerichtet hatten. Beinahe zweieinhalb Jahre hatten die Kaiserlichen Rügen besetzt gehalten.

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