LeseTipp: Arnaldur INDRIÐASON, Verborgen im Gletscher.

Island/Krimi/

 Arnaldur INDRIÐASON: Verborgen im Gletscher. Island Krimi. Arnaldur INDRIÐASON: Verborgen im Gletscher. Island Krimi.
(Myrkrid Veit., 2017)
365 S., ISBN: 978-3-7857-2657-0
Köln: Bastei-Lübbe, 2019

Bewertung
Bewertung: 3 Sterne

Rezension

Schuld und Sühne.
Kommissar Konráð ist bereits in Rente, als die Leiche eines seit Jahrzehnten vermissten Geschäftsmanns entdeckt wird. Der Klimawandel hat den Langjökull-Gletscher schmelzen lassen und die Leiche freigegeben. Konráð war an der Aufklärung des Falls beteiligt. Er war nie von der Schuld des Hauptverdächtigen Hjaltalin überzeugt. Zwar konnte diesem im Prozess nichts nachgewiesen werden, aber das Stigma des Mörders wurde er niemals los - was ihn in der kleinen Gesellschaft Islands zum Geächteten machte.
»Wir haben Hjaltalin die ganze Zeit zu Unrecht verdächtigt«, sagte Konráð schließlich, und in seiner Stimme lag Bitterkeit. »Er hätte das hier noch erleben sollen. Er hätte erfahren müssen, dass seine Ehre wiederhergestellt wird. Jetzt ist es zu spät. Er hat die ganze Zeit die Wahrheit gesagt, und niemand hat ihm geglaubt. Niemand. Wie muss der arme Mann sich gefühlt haben. Die ganze Zeit. All die Jahre, in denen er seine Unschuld beteuert hat. Und wenn ich daran denke, welchen Anteil ich daran hatte ... Wie ich mit ihm umgegangen bin. Bis zuletzt, als er sterbenskrank war. Wie das System versagt hat. Wie wir alle versagt haben.«
Auf seinem Sterbebett will er Konráð noch einmal sehen. Und wenn auch das Gespräch mit ihm keine Klarheit bringt, kann Konráð nicht von dem Fall lassen und betreibt eigene Ermittlungen. Denn - von der Polizei damals übersehen - gab es noch einen zweiten Toten, scheinbar das Opfer eines Verkehrsunfalls. Er war möglicherweise als Kind dem wahren Mörder begegnet.
Fazit: Wenn Polizisten Schuld sehen und die Gesellschaft Sühne will, dann wird der Verdächtige zum Schuldigen und kommt aus dieser Falle nicht mehr heraus. Auch wenn ein einzelner Polizist Zweifel hat - das System ist stärker, auch wenn es versagt. Es ist sein Scheitern, das Konráð an diesen Fall fesselt und ihn auch nach seinem aktiven Dienst nicht loslässt.

Die Tage vergingen, der Trubel ebbte ab, und die Leute waren zufrieden mit seiner Erklärung. Zufrieden mit der Aussage der Polizisten. Zufrieden mit der Aussage der Leute am anderen Ufer, die beobachtet hatten, wie Lukas den Halt verloren und Konráð nach Kräften versucht hatte, ihm zu helfen, und dabei fast selbst in die Ölfúsá gestürzt wäre. Die Polizeidirektion unternahm nichts. Die Anwesenden hatten nur das gesehen, was man unter diesen außergewöhnlichen, furchtbaren Umständen erwartet hätte. Konráð hatte dem Mann helfen wollen.
Nur Konráð wusste es besser. Dass er Lukas die schwache Hand hingehalten hatte, obwohl er wusste, dass sie nicht stark genug war. Auch das würde für immer im Dunkeln verborgen bleiben.

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