LeseTipp: Carmen KORN, Zeiten des Aufbruchs.

Hamburg/Roman/

 Carmen KORN: Zeiten des Aufbruchs. Carmen KORN: Zeiten des Aufbruchs.   Neu 
603 Seiten, ISBN: 978-3-463-40683-1
Die Jahrhundert-Trilogie 2
München: Kindler, 2017

Bewertung
Bewertung: 3 Sterne

Rezension

Die heile Welt von Hör Zu.
Der Krieg ist vorbei, in Deutschland entwickelt sich das Wirtschaftswunder, die Protagonisten Henny, Lina, Ida und Käthe und ihr Anhang etablieren sich. Das Fernsehen kommt auf und mit ihm die heile Welt der Fernsehfamilien. Man kauft sich ein Auto, fährt nach Italien. Alles verläuft glatt und konfliktfrei, die Ereignisse der Welt draußen ziehen so en passant vorbei: die Demonstrationen gegen die Springer-Presse und ihre fehlende Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit, das Attentat auf Rudi Dutschke, die Landung auf dem Mond, die Große Flut in Hamburg…
"A Day In The Life. Da war Sergeant Pepper's Lonely Hearts Club Band, das Album der Beatles, am 2. Juni des vergangenen Jahres erschienen und am selben Tag der Student Benno Ohnesorg vom Polizisten Kurras in Berlin erschossen worden. Bei einer Demonstration gegen den Schah von Persien. Eine Zeitenwende. Beides."
Theo und Marike führen gemeinsam eine gynäkologische Privatpraxis, unterstützt von Henny und Käthe. Lina, Louise und Momme betreiben die Buchhandlung Landmann. Florentine aus der dritten Generation wird Modell, Ruth engagiert sich in der linken Studentenszene.
Fazit: Carmen KORN breitet das Kaleidoskop des aufstrebenden Deutschlands der 50er- und 60er-Jahre aus. Als Angehöriger ihrer Generation deckt sich vieles mit den eigenen Erinnerungen: die Zeitschriften Twen und konkret, die Schlager von Hildegard Knef und andere, Schriftsteller und Bücher, Filme, Schauspieler und Regisseure. Durchaus nett zu lesen. Aber die atmosphärische Verdichtung, die im ersten Band der Jahrhundert-Trilogie die drohende Gefahr des aufkommenden Nationalsozialismus so beklemmend spürbar machte, gelingt ihr nicht mehr. Alles bleibt glatt, wie die Fernsehfamilien und Hör Zu.

Einen Dreiteiler aus silbergrauem Kammgarn hatte Theo schneidern lassen, auch bei Ladage. All diese luxuriösen Gedanken, die man sich wieder machte. Von dem altersschwachen Mercedes wollte er sich trennen, Alessandro hatte ihm vom neuen Auto vorgeschwärmt.
Ab und zu blitzte in ihm noch immer der Gedanke auf, dass all dieser Hedonismus fragwürdig sei, wenn man an das dachte, was noch nicht lange her war. All diese Tode. Doch dann hörte er Landmann lachen. Das Leben genießen? Unbedingt, würde der alte Freund sagen.

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