LeseTipp: David BALDACCI, Der Abgrund.

USA/Virginia/Washington, DC/Thriller/

 David BALDACCI: Der Abgrund. David BALDACCI: Der Abgrund.
(Last man standing., 2001)
639 S., ISBN: 3-7857-2110-2
Köln: Lübbe, 2003

Bewertung
Bewertung: 3 Sterne

Rezension

Auch böse Menschen können lieben.
Web London ist FBI-Spezialagent beim Geiselrettungsteam HRT. Bei einem Einsatz vor einer vermuteten Drogenzentrale, aus der die "Erbsenzähler" (Buchhalter) herausgeholt werden sollen, friert er im Einsatz plötzlich ein und kann sich nicht bewegen. Die anderen Mitglieder seines Teams werden durch automatisches Maschinengewehrfeuer getötet. Es war eine Falle.
Da Web sein Verhalten nicht erklären kann, gerät er in den Verdacht, etweder ein Feigling oder ein Verräter zu sein. Um dieses Trauma aufzuarbeiten, wird er an den psychologischen Dienst des FBI verwiesen. Doch der Psychiater, bei dem er wegen eines frühren traumatischen Einsatzes in Behandlung war, ist abwesend. Und so gerät er an die junge Psychologin Claire Daniels. Sie glaubt, daß die Ursache für die Blockade in Webs Jugend verborgen ist und mit dem Tod seines verhassten Stiefvaters zusammenhängen könnte.
Vor einigen Jahren hatte Web bei einem Einsatz gegen eine Milizbande, die eine Schule besetzt und Geiseln genommen hatte, eine der Geiseln verloren. Und ihr Anführer konnte aus dem Gefängnis entkommen. Als dann der Staatsanwalt, der Richter und der Verteidiger in diesem Prozess ermordet werden, sieht es so aus, als ob der Anführer und die Bande wieder aktiv wären.
Die Eltern der getöteten Geisel könnten ebenfalls bedroht sein. Sie waren Pferdezüchter geworden und lebten auf einer einsamen Farm in Virginia. Web soll sie beschützen.
An sich, das zeigt sich in späteren Romanen, mag David Baldacci das FBI nicht besonders, er zieht den Secret Service vor. Hier werden die Spezialeinsatzkräfte den "Anzugträgern" gegenüber gestellt. Für erstere hat er Respekt, den anderen traut er nicht.
Fazit: Baldacci wollte wohl eher Psychologe oder Psychiater anstatt Anwalt werden. Denn das Buch ist überfrachtet mit psychologischen Erklärungsversuchen, sogar Hypnose kommt zum Einsatz. Und damit lassen sich natürlich die Traumata lokalisieren. Darunter leidet der Spannungsbogen des sehr komplexen Thrillers und weckt den Wunsch, das Buch wäre um 100-200 Seiten gekürzt worden. Ursachenforschung ist schon sinnvoll, aber hier wirkt sie doch nicht sehr professionell. Erfreulich: Baldacci stellt den schwarzen Drogenboß Francis Westbrook nicht vor allem negativ dar, und zeigt, wie der alles versucht, um seinen Bruder Kevin zu retten. Auch Verbrecher sind nicht nur böse.

Klar war, dass Kevin nicht wie Francis aufwachsen würde. Er würde ein richtiges Leben führen, ohne Waffen, Drogen und die Ambulanz, die einen irgendwann zu einem Behandlungstisch bringen würde, auf dem man ein Etikett an den Zeh geknotet bekam. Wer sich zu lange in Francis' Nähe aufhielt, wer sein Leben hautnah miterlebte, musste zwangsläufig in Versuchung geraten, auch einmal den Zeh ins Wasser zu stecken, vor allem als junger Mensch. Und wer das einmal getan hatte, kam für den Rest seines Lebens nicht mehr heraus, weil dieser verlockende Teich ein gieriges Schlammloch war, in dem es vor Wassermokassinschlangen wimmelte, die behaupteten, dein Freund zu sein, bis man ihnen den Rücken zukehrte und eine der Schlangen einem ihre Giftzähne ins Genick schlug. Das sollte nicht mit Kevin geschehen, hatte sich Francis geschworen, als der Junge auf die Welt gekommen war. Aber vielleicht war es jetzt trotzdem geschehen. Es wäre wahrlich eine Ironie, wenn Kevin ihn nicht überleben würde.

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