Weihnachtskugeln

„Winter lässt sein graues Band / Wieder flattern durch die Lüfte; / Süße, wohlbekannte Düfte / Streifen ahnungsvoll das Land”
Eduard Mörike (1804-1875), dt. Lyriker


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LeseTipp: Mario GIORDANO, Tante Poldi und die Früchte des Herrn.

Sizilien/Krimi/

 Mario GIORDANO: Tante Poldi und die Früchte des Herrn. Mario GIORDANO: Tante Poldi und die Früchte des Herrn.
366 S., ISBN: 978-3-431-03948-1
Tante Poldi 2
Bergisch-Gladbach: Ehrenwirth, 2016

Bewertung
Bewertung: 3 Sterne

Rezension

Aufgewärmt.
Tante Poldi muß wieder Morde aufklären. Zuerst wird der Hund ihrer Freundin Valérie tot aufgefunden. Dann wird eine Staatsanwältin aus Catania ermordet, und schließlich die Wahrsagerin Giuliana Sahara, die Tante Poldi bei der Weinlese am Gut des Winzers Avola kennengelernt hat. Blöderweise auf diesem Gut, und Tante Poldi entdeckt die Leiche.
Commissario Montana ist gar nicht begeistestert, Tante Poldi wieder an einem Tatort zu finden. Außerdem ist er eifersüchtig, denn Poldi scheint die Nacht mit dem Winzer verbracht zu haben - kann sich allerdings an nichts mehr erinnern. Und man hat ihr - bzw. der Gasse - das Wasser abgedreht. In Sizilien eine eindeutige Warnung, sich aus einer Sache rauszuhalten. Für Poldi hat natürlich Russo schuld, den sie für einen Mafiaboss hält und der mit ihr flirtet. Aber hängen diese Fälle wirklich zusammen?
Fazit: Leider wirkt der Roman nur wie ein Aufguss von Mario Giordanos erstem Sizilien-Krimi. Die ganze Szenerie wirkt wie abgekupfert, der Spannungsbogen ist flach und nimmt erst im letzten Drittel etwas Fahrt auf. Das Personal ist weitgehend unverändert, bleibt aber zu undeutlich. Das Aufeinanderprallen der deutsch/bayrischen und der italienisch/sizilianischen Lebens- und Denkweise, das den Reiz des Vorgängers ausgemacht hat, wird nur noch am Rande thematisiert. Es scheint, als wäre Giordano zu dieser Fortsetzung gedrängt worden, und leider ist das Ergebnis ein etwas schal schmeckender Aufguss.

Das ist Sizilien, Donna Poldina. Wir haben den Fatalismus erfunden. Natürlich erinnern sich die Leute noch an das Gewässer. Sie erinnern sich auch noch sehr gut an die Zeiten, als sie noch nichts für das Wasser bezahlen mussten, das sie trinken, mit dem sie kochen und duschen und ihre Felder bewässern. Aber dann kommt das große Schulterzucken, dann kommt die Angst, und dann hat man schließlich auch in der Kommunalverwaltung oder auf irgendeinem Amt einen Cousin, Schwager oder Bekannten sitzen, der da vielleicht gar nicht hingehört, weil er eigentlich ein Vollidiot ohne Schulabschluss ist, der einem aber hin und wieder einen Gefallen tut. Jeder weiß, wie das System läuft. Das ist dieses uralte Aerosol aus Angst und Nepotismus, das wir Sizilianer atmen und das uns gleichzeitig vergiftet und am Leben erhält.

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