LeseTipp: Dan BROWN, Inferno.

Toskana/Florenz/Thriller/

 Dan BROWN: Inferno. Dan BROWN: Inferno.
(Inferno., 2013)
684 S., ISBN: 978-3-7857-2480-4
Robert Langdon 4
Köln: Lübbe, 2013

Bewertung
Bewertung: 3 Sterne

Rezension

Logik, Dein Name ist nicht Dan Brown.
Der - inzwischen bekannte - Harvardprofessor und Symbolforscher Robert Langdon wacht in einem Krankenhauszimmer in Florenz auf und weiß weder, wo er ist, noch warum er hier ist. Es scheint, als hätte er einen Streifschuß am Kopf und dadurch das Gedächtnis verloren. In einem Fiebertraum erschien ihm eine silberhaarige Frau, die ihn aufforderte, etwas zu suchen - aber was und wo?
Die Verfolgung und Bedrohung scheint weiterzugehen, und die Ärztin Sienna Brooks verhilft ihm zur Flucht. Langdon findet in seinem Anzug einen Miniprojektor mit dem Gemälde La Mappa dell' Inferno von Sandro Botticelli. Botticelli illustrierte Die göttliche Komödie von Dante Alighieri. Das Gemälde zeigt Dantes Unterwelt als trichterförmige Abfolge von abwärts führenden Terrassen.
Der Biochemiker und Genforscher Betrand Zobrist sieht in der sich exponentiell vermehrenden Bevölkerung das Ende der Menschheit im Malthus'schen Sinn nahen. Er will der drohenden Übervölkerung entwas entgegensetzen - und die erste Idee ist natürlich, einen hochaggressiven Virus freizusetzen, um, wie bei der Pest, ein Drittel oder die Hälfte der Erdbevölkerung zu eliminieren. Gleichzeitig hat Zobrist eine Vereinigung begründet, die sich mit einer beschleunigten Evolution des Menschen befasst und eine Art homo sapiens maior hervorbringen will. Da er für seine Ideen verfolgt wird, lässt er sich von einer Organisation namens "Konsortium" abschirmen. Aber die Verfolger kommen ihm zu nahe und er stürzt sich von der Badia in Florenz in den Tod. Aber er hat ein Video hinterlassen, das es Langdon ermöglichen wird, den Ort zu finden, an dem das Virus freigesetzt werden soll.
Somit beginnt ein Wettlauf verschiedener Personen und Organisationen, wobei lange Zeit nicht klar ist, wer mit wem und wer gegen wen kämpft. Alles sehr verwirrend, und auch die basalen Gesetze der Logik bleiben außen vor.
Fazit: Dan Brown versucht, an seinen, 10 Jahre vorher erschienenen, großen Erfolg Sakrileg anzuschließen - die Romane dazwischen liegen nicht ganz so gut. Damit ist für Teile seiner Leser wohl ein deja-vue-Erlebnis vorprogrammiert. Das macht die Suppe nicht unbedingt würziger. Streckenweise - besonders über die ersten 100 Seiten - schleppt sich der Roman dahin, auch wenn er Cliffhanger auf Cliffhanger türmt, um Spannung zu erzeugen. Und sein ungelenk abgehackter Stil hilft hier auch nicht. Die häppchenweise Verabreichung kunst-historischer Hintergrundinformationen ist bemüht und vor allem gut gemeint.
Außerdem begibt sich Dan Brown auf dünnes Eis, und es konsequent zu begehen, fehlt ihm letztlich der Mut. Denn mag auch die Malthus'sche Formel der Überbevölkerung mathematisch stringent sein, ist die Lösung des Problems doch ethisch schwierig und Browns Ansatz eher nett. Auch von der Schaffung eines evolutionär weiterentwickelten Menschen bleiben ein paar allgemeine Forderungen, an der eigenen "Evolution mitzuarbeiten, um Menschen zu schaffen, die gesünder, stärker und widerstandsfähiger sind und bessere Gehirne besitzen". Schöne neue Welt!

Wie kann ein einziger Mensch hier etwas bewirken ?
Für jeden Menschen, dem Sienna etwas zu essen gab, starrten sie hundert andere hoffnungslos an. Manila litt unter unglaublichen Verkehrsstaus, erstickendem Smog und einer furchtbaren Sexindustrie, in der vor allem Kinder arbeiteten. Kinder, die von den eigenen Eltern an Zuhälter verkauft wurden, allerdings nicht aus Bosheit, sondern in dem Wissen, dass die Kinder auf diese Weise wenigstens etwas zu essen bekamen.
In diesem Chaos aus Kinderprostitution, Bettlern, Taschendieben und Schlimmerem war Sienna plötzlich wie gelähmt. Uberall sah sie, wie Menschen nur noch von ihrem Uberlebensinstinkt getrieben wurden.
[...] Mit einem Mal sah Sienna die Menschheit als das, was sie wirklich war: eine Spezies am Rand des Abgrunds.

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