LeseTipp: Florian SCHEIBE, Weiße Stunde.

Sizilien/Roman/

 Florian SCHEIBE: Weiße Stunde. Florian SCHEIBE: Weiße Stunde.
205 S., ISBN: 978-3-902373-95-3
Wien: Luftschacht-Verlag, 2012

Bewertung
Bewertung: 4 Sterne

Rezension

Sizilien kann auch kalt sein.
Der Ich-Erzähler und seine Freundin Svenja verbringen einen Sommer in Sizilien. Sie erforscht den Untergang und den systematischen Wiederaufbau der Stadt Noto nach dem großen Erdbeben von 1693. Er ist Schriftsteller mit Schreibblockade. Gelegentlich unternehmen sie Ausflüge. Bei einem Ausflug entdecken sie ein abgelegenes, verlassenes Haus, das Svenja unbedingt erforschen will. Sizilien ist Svenjas Welt, in die ihr der Protagonist nicht folgen kann und will. So überlässt er ihr das Haus und wartet im Auto auf sie. Als sie nicht wiederkommt, sucht er sie im Haus, findet sie aber nicht.
Das beunruhigt ihn aber nicht weiter, da er annimt, sie wird sich zu Freunden durchgeschlagen haben. Er fühlt sich eher befreit, kann wieder schreiben und erfindet schließlich, auf Nachfrage von Freunden, eine Palermo-Reise, die Svenja unternommen habe. Er genießt die Zeit des Alleinseins, und erst nach rund drei Wochen erstattet er eine Abgängigkeitsanzeige bei der Polizei.
Weil er glaubt, die Motive für sein seltsames Handeln der italienischen Polizei nicht vermitteln zu können, reist er überstürzt nach Berlin zurück und stellt sich dort der Polizei. Bei seiner Aussage verstrickt er sich immer mehr in seinen Halblügen und Erklärungen, wird schließlich des Mordes an Svenja angeklagt und verurteilt.
Eineinhalb Jahre später wird er, da unschuldig, aus der Haft entlassen und kehrt nach Noto zurück. In Sizilien ist nun Winter, es ist kalt, windig und regnerisch. Er versucht, Antworten und sich selbst zu finden und zu verstehen. Aber am Ende sitzt er in der weißen Stunde, wenn die Stadt vor Hitze flimmert, auf den Stufen vor der Kathedrale und schreibt.
Fazit: In seinem Debütroman beschreibt Florian Scheibe einen jungen Mann, der auf der Suche nach sich selbst in seinem Lügengespinst verloren geht. Zwar interessant zu lesen, aber verstehen oder gar begreifen kann man seinen Protagonisten allerdings nicht.

Manchmal kommt es mir so unglaublich vor, dass ich sie nie irgendwo sehe, dass mich das Gefühl beschleicht, sie seien nie real gewesen und hätten nur in meinem Kopf existiert. Und wenn ich diesen Gedanken dann fortführe, wenn ich mich voll und ganz auf ihn einlasse, frage ich mich, ob überhaupt irgendetwas von alledem wirklich geschehen ist, und ob all die Menschen, die damit in Verbindung standen, tatsächlich leben oder gelebt haben (Svenja, Svenjas Eltern, Claudia, Michele, Barbara und all die anderen).

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