LeseTipp: Andrea CAMILLERI, Italienische Verhältnisse.

Sizilien/Land & Leute/

 Andrea CAMILLERI: Italienische Verhältnisse. Andrea CAMILLERI: Italienische Verhältnisse.
140 S., ISBN: 3-8031-2524-3
Wagenbachs Taschenbuch 524
Berlin: Klaus Wagenbach, 2005

Bewertung
Bewertung: 3 Sterne

Rezension

Italien als Satire der Realität.
Diese von Klaus Wagenbach herausgegebene Sammlung satirischer und politischer Texte entstand in Zusammenarbeit mit Andrea Camilleri aus unterschiedlichen italienischen Quellen. Deshalb gibt es sie nur auf Deutsch. Italien, gesehen und beschrieben von einem bedeutenden italienischen Autor, für deutsche Leser.
Die unterschiedlich langen Texte sind in vier Abschnitten geordnet: Nachrichten aus Italien, Siziliana, Innere Angelegenheiten, Briefe aus der Zukunft. Viele handeln vom nur Cavaliere genannten ehemaligen Ministerpräsidenten Berlusconi, der nicht unbedingt zu den Freunden Camilleris zählt. Andere beschäftigen sich mit der Mafia, deren Existenz in Sizilien immer noch gerne geleugnet wird. Ein Text ist ein interessantes fiktives Interview mit Kaiser Friedrich II.. (1194-1250), in dem er seine Herrschaft und Bedeutung relativiert.
Fazit: Wo endet die Realität und beginnt die Satire? In Camilleris Texten, vor allem für einen Nicht-Italiener, nicht wirklich auszumachen. Das ist auch die Schwäche dieses durchaus unterhaltsamen Buches: es setzt zu viel Wissen über italienische Interna voraus, führt zu viele Personen an, die man außerhalb des Landes kaum kennt. Vor allem im vierten Abschnitt fehlt oft das Verständnis. Das Glossar der Namen und Fakten hilft nur wenig. Das trübt den Lesegewinn dieser satirischen Texte etwas.

Für einen Italiener ist es ganz selbstverständlich, seinen Wagen in der vierten Reihe zu parken und sich dann über den Polizisten aufzuregen, der einem einen Strafzettel verpaßt. Der Italiener ist im Grunde ein Anarchist und will machen, was er will. Nichts anderes tut Berlusconi, unterstützt sogar von dem einen oder anderen Politiker der Gegenseite, der damit eigene politische Ziele verfolgt und ihm den Weg ebnet, statt ihn zu versperren: Es ist obszön, heute seinen Interessenkonflikt - hie Politik, da Geschäft -auf die Tagesordnung zu setzen, wo man doch genau weiß, daß er morgen im Fernsehen sagen kann, ich verkaufe alles, denn es passiert ja ohnehin nichts. Er hat eine großartige Geste gemacht, und wir von der Linken haben ihm die Gelegenheit dazu gegeben. Wir hatten fünf Jahre Zeit, dieses Problem zu lösen, statt sie für mehr oder weniger undurchsichtige Ränkespiele zu verwenden...

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