LeseTipp: Rudolf HABRINGER, Island-Passion.

Island/Roman/

 Rudolf HABRINGER: Island-Passion. Rudolf HABRINGER: Island-Passion.
350 S, ISBN: 978-3-85452-626-1
Wien: Picus Verlag, 2008

Bewertung
Bewertung: 5 Sterne

Rezension

Richard Behrend aus der oberösterreichischen Provinz freundet sich im Klosterinternat mit Gerhard Zollner an. Nach der Matura beginnen sie, gemeinsam in Wien Musik zu studieren, und sie vereinbaren, ihren Weg dort gemeinsam zu machen und nicht auf Kosten des anderen.
Richard verliebt sich in Alina, Tochter eines Zeitungsherausgebers. Dort kann Richatd anheuern, und schließlich wird er nach Reykjavík geschickt, um den legendären Kampf um die Schachweltmeisterschaft zwischen Boris Spasski und Bobby Fischer zu beobachten und für die Zeitung zu kommentieren. Dort verliebt er sich in die Pressebetreuerin und stößt zufällig auf die Geschichte des österreichischen Musikers Karl Wallek, der 1938 mit seiner Familie aus Österreich vertrieben worden war, in Island eine neue Heimat fand und Karriere als Begründer des isländischen Musiklebens.
Wieder zurück erforscht Richard die Geschichte Walleks in Österreich und erkennt bald, daß sich hier niemand damit befassen will. Auch sein Professor an der Musikhochschule ist in die Geschichte verwickelt - er schrieb eine Kurzbiografie -, doch der will nichts mehr damit zu tun haben. Auch die Freundschaft mit Zöllner, dessen Vater in Walleks Entlassung vom Konservatorium in Graz beteiligt war, zerbricht. Richard gibt sein Studium auf und siedelt sich in Island an.
Vorbild für Karl Wallek ist die Biografie des österreischischen Musikers Victor Urbancic, der bei der Machtergreifung der Nationalsozialisten gezwungen wurde, seine Position als stellvertretender Direktor des Konservatoriums in Graz aufzugeben und mit seiner Familie Österreich zu verlassen. Hierzulande weitgehend vergessen, baute er das isländische Musikleben auf.
Fazit: der Lebensweg eines Mannes, der im Schweigen und Verschweigen aufgewachsen ist und seine Gefühlswelt nicht verbalisieren konnte, gespiegelt am Schweigen und Verschweigen der Vertriebenen des Nationalsozialismus, die niemand zurück haben wollte.

Jede Lebensgeschichte ist eine Konstruktion, ein Haus aus Fakten, Wünschen, Lügen, aus roh gezimmerten Gedanken, das Ergebnis eines Versuchs, chaotische Verläufe zu entwirren, einen roten Faden, Sinn zu finden, jedes Leben die Behauptung, es sei das Ergebnis zielgerichteter Zusammenhänge und nicht des Zufalls.
Behrend hatte sein Leben etwa alle zehn Jahre neu justiert, immer wieder hatten sich die Koordinaten seiner Sinngebung verändert. [...]
Er existiert auf einer Insel im Atlantik. Die Winde sind rau, das Wetter wechselhaft, der kalte Krieg ist vorbei, die Insel prosperiert. Zeit, einen Spaziergang zu unternehmen, sich den Wind auf die Haut blasen zu lassen, die feinen Regentropfen zu spüren, um den Leuchtturm herumzustreifen mit den Hundebesitzern, den Tagestouristen, den Kinderwagenschieberinnen, manchmal einen verlorenen Golfball im Schilfgras zu finden, machnmal eine Flasche im Wasser treiben zu sehen, wie Flaschenpost, die er als Kind, das nie am Meer war, so gern in den großen Ozean geworfen hätte.

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