LeseTipp: Viktor Arnar INGÓLFSSON, Späte Sühne.

Island/Krimi/

 Viktor Arnar INGÓLFSSON: Späte Sühne. Viktor Arnar INGÓLFSSON: Späte Sühne.
(Solstjakar., 2009)
334 S, ISBN: 978-3-404-16486-8
BLT 16486
Bergisch-Gladbach: Bastei-Lübbe TB, 2010

Bewertung
Bewertung: 5 Sterne

Rezension

Fabían: Als seine Mutter im sechsten Monat ist, verabschiedet sich sein Vater. Sie kann ihm trotzdem eine gute Kindheit geben, aber als er acht ist, stirbt sie. Er kommt auf einen entlegenen Bauernhof, wo er gemeinsam mit anderen Kindern aus schwierigen Verhältnissen lebt. Es ist ein Leben ohne Liebe, und obwohl keine direkte körperliche Gewalt ausgeübt wird, schwebt sie als Drohung ständig über den Kindern. Seelisch schwer belastet glaubt er, in einem Erntehelfer einen Freund gefunden zu haben. Doch während einer längeren Abwesenheit der Bauernfamilie wird er von diesem täglich brutal vergewaltigt und dabei so schwer im Afterbereich verletzt, daß er kaum in der Lage ist, den Stuhl zu halten.
Wegen einer schweren Infektion kommt er zunächst ins Bezirkskrankenhaus und dann in ein Heim für geistig Behinderte. Nach einigen Jahren des Dahindämmerns wird Jón, der als Sommeraushilfe in dem Heim arbeitet, auf ihn aufmerksam und nimmt ihn ein Jah später in die Hippie-Kommune mit, die er gegründet hat. Dort führt Fabían ein gutes Leben, aber das Haus brennt ab, ein Mädchen kommt ums Leben. Fabían kann sich retten ,erleidet eine Nervenzusammenbruch und verbringt die nächsten zwölf Jahre wie ein Autist in einer psychiatrischen Klinik. Einer jungen engagierten Psychologin gelingt es schließlich, ihn wieder ins Leben zurückzuholen.
Aber dann wird bei ihm ein bösartiges Karzinom im Darm entdeckt, das allerdings mit Operation und Chemotherapie zunächst beherrschbar ist. Sein geistiger Zustand verbessert sich in der normalen Umgebung des Krankenhauses. Und wieder ist es Jón, der ihn rettet und ihm eine Unterkunft in seinem Haus anbietet.
Aber das ist nur eine Hintergrundhandlung in diesem sehr dichten und präzisen Krimi. Eigentlich geht es um einen Mord in der isländischen Botschaft in Berlin, den die Reykjavíker Kriminalbeamten Birkir Li Hinriksson, geborener Vietnamese, und sein Kollege Gunnar Maríuson aufzuklären haben. Eine eigentlich nicht schwierige Aufgabe, da sich nur eine begrenzte Anzahl von Personen in der Botschaft aufgehalten hat, und unter ihnen befindet sich der Täter.
Aber die Lebenswege der Anwesenden sind verwobener, als es zunächst den Anschein hat, und der Schlüssel zur Lösung liegt, wie meist, in der Vergangenheit.
Fazit: ein sehr dichter Roman, in dem viele Geschichten zusammenlaufen, die jede für sich einen Roman ergeben hätte können. Und ein Abgesang auf eine Welt, die hätte sein können.

Die Hippies hatten die schönsten Ideale des vergangenen Jahrhunderts, doch es ist auch vieles schiefgelaufen. Woodstock stellte in gewissem Sinne den Höhepunkt dieser Zeit dar, und die Morde der Manson Family waren der absolute Tiefpunkt, tiefer konnte man nicht sinken. Beides geschah in ein und derselben Woche, im August 1969. Nur wenige waren imstande, richtig mit der Freiheit umzugehen, die die Hippies zu dieser Zeit für sich und andere beanspruchten. Leider.

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