LeseTipp: Kristof MAGNUSSON, Gebrauchsanweisung für Island.

Island/Land & Leute/

 Kristof MAGNUSSON: Gebrauchsanweisung für Island. Kristof MAGNUSSON: Gebrauchsanweisung für Island.
193 S, ISBN: 978-3-492-27588-0
SP 27588
München: Serie Piper, 2011

Bewertung
Bewertung: 5 Sterne

Rezension

Kristof Magnusson umkreist in seiner schon in "Zuhause" bewährten humorvollen dialogartigen Sprache einen wesentlichen Teil der Themen, die für Isländer typisch und für ihr Verstehen hilfreich sind: Schwimmbäder, Vulkane, Krisen, Natur, Sagas, Reykjavík und der Alltag. Zwar in Deutschland aufgewachsen, kann er mit seinen isländischen Wurzeln zugleich einen Blick von außen und von innen auf Island und seine Bewohner werfen - die uns Mitteleuropäern manchmal kauzig und eigen erscheinen.
Und Island ist ein unmögliches Land. Erdgeschichtlich so spät aus einer riesigen Lavaeruption entstanden, für deren Ursache es noch immer keine Theorie gibt. Die Bevölkerung war mehrfach durch Naturereignisse, Hungersnöte und Epedemien von Auslöschung bedroht. Die Natur greift mit einer uns unvorstellbaren Intensität in das Alltagsleben ein. Das Land ist, von der Hauptstadtregion abgesehen, dünn besiedelt. Die Winter sind lang und dunkel, die Sommer kurz und hell.
All diese Umstände haben Charakter und Wesensart der Isländer geformt. Sie können ein naturnahes Leben und den westlichen Lebensstandard miteinander verschmelzen. Magnusson gelingt es, die Brüche und Brücken, die Gemeinsamkeiten und Gegensätze plastisch und nachvollziebar wiederzugeben. Sehr einsichtig ist die Beschreibung der Ursachen der Finanzkrise, die Island 2008 in den Staatsbankrott trieb: das Minderwertigkeitsgefühl einer bis ins 20. Jahrhundert fremdbeherrschten Gesellschaft, die ein Leben auf Kredit durchaus normal fand und im Zuge der Globalisierung die Chance sah, sich mit Krediten in diese neue Welt einzukaufen, deren Komplexität ihr aber fremd war. Sehnsucht nach etwas mehr internationaler Aufmerksamkeit und Anerkennung.
Sehr interessant ist auch die Schilderung der Auseinandersetzung mit der Natur, zu der die Isländer zwangsläufig ein ambivalentes Verhältnis haben. Niemand ist von mehr Natur umgeben als sie, aber niemand hat auch so mit den Gefahren zu kämpfen, die von ihr ausgehen.
Fazit: Das amüsante und humorvolle, aber keineswegs oberflächliche Buch bringt die Gewohnheiten und Eigenheiten der Isländer dem Interessierten nahe.

Es war die Zeit, zu der eine der beliebtesten Sendungen aus Deutschland kam: Derrick. Ob aus Begeisterung oder mangels Alternative, fast das ganze Land schaute über Jahre hinweg Horst Tappert beim Ermitteln und Fritz Wepper beim Wagenholen zu. Da Derrick, wie heute noch alle ausländischen Sendungen, im Original mit Untertiteln lief, gibt es bis heute Isländer, die bei Deutschland an Derrick denken und Sätze sagen wie: »Es tut mir leid, Ihre Frau ist tot.« Als Horst Tappert starb, meldeten sich drei isländische Freunde per SMS und sprachen mir ihr Beleid aus.

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