LeseTipp: Yrsa SIGURÐARDÓTTIR, Feuernacht.

Island/Krimi/

 Yrsa SIGURÐARDÓTTIR: Feuernacht. Yrsa SIGURÐARDÓTTIR: Feuernacht.
(Horfðu á mig., 2009)
422 S, ISBN: 978-3-596-18870-3
TB 18870
Frankfurt: Fischer TB-Verlag, 2011

Bewertung
Bewertung: 4 Sterne

Rezension

Drei parallel verlaufende Handlungsstränge geben dem Buch eine zusätzliche Dimension.
Da ist zunächst die Haupthandlung, die Ermittlungsarbeit der Anwältin Dóra Guðmundsdóttir. Der Sexualstraftäter und Insasse einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher Jósteinn hat sie beauftragt, dem Brand in einem Behindertenheim nochmals aufzurollen, der Jakob, einem jungen Mann mit Down-Syndrom, zur Last gelegt wird. Jakob wurde gegen seinen Willen und den seiner Mutter in dieses Heim eingewiesen, und er will eigentlich nur noch wieder nach Hause. Hat er den Brand gelegt, weil er dachte, damit wieder nach Hause zu kommen? Aber Dóra merkt bald, daß er zur Organisation einer solchen Tat gar nicht fähig ist, daß sein Anwalt ihn nur sehr nachlässig verteidigt hat und die gerichtliche Untersuchung sehr oberflächlich durchgeführt wurde. Außerdem war eines der behinderten Mädchen schwanger - sollte mit dem Brand diese Vergewaltigung vertuscht werden? Und was sind Jósteinns wirkliche Motive - denn er ist sicherlich nicht jemand, der Anderen helfen will.
Der zweite Handlungsstrang dreht sich um Margeir, Moderator einer nächtlichen Radiosendung mit Publikumsbeteiligung, der in seiner Sendung bedrohliche Anrufe und auf seinem Handy verstörende SMS erhält. Hatte er mit dem Behindertenheim zu tun? War er vielleicht der Vergewaltiger und Brandstifter?
Und dann, als dritten Handlungsstrang, gibt es noch Berglind, in deren Haus es zu spuken scheint. Die Babysitterin ihres Sohnes Pési wurde beim einem Verkehrsunfall in der Nähe des Hauses getötet, der Unfalllenker beging Fahrerflucht und wurde nie ermittelt. Ihr Geist spukt nun im Garten und will einerseits wieder Zutritt zu Pési, andererseits vielleicht etwas über den Unfallhergang mitteilen. Und da nur 10% der Isländer die Existenz übernatürlicher Wesen verneinen, bezweifelt niemand diese seltsamen Vorkommnisse.
Außerdem gibt es noch einige Nebenspuren, und ein hoher Beamter im Justizministerium, dessen autistischer Sohn auch bei dem Brand ums Leben gekommen ist, spielt eine sehr undurchsichtige Rolle.
Erst am Ende finden diese Handlungsstränge in einem überraschenden Ende zusammen.
Fazit: vor dem Hintergrund der schweren Wirtschaftskrise Islands werkt hier kein Kommissar mit privaten Problemen, sondern eine Anwältin mit einem kleinen Büro, einer Patchworkfamilie und Eltern, die mit der Krise ihre gesamten Ersparnisse verloren haben und nun in ihrer Garage wohnen. Die bei Arnaldur Indriðason zu beobachtende zwischenmenschliche Kälte und Härte fehlt hier völlig.

Fanndís atmete tief ein. Doch anstatt mit frischer Luft füllte sich ihr Mund mit einem ekelhaften Geschmack. Es fühlte sich so an, als hätte sie durch ein rostiges Rohr eingeatmet. ... Sie streckte die Hand nach dem Fenster aus, um frische Luft hereinzulassen, schreckte aber zurück, als sie einen Menschen oder einen Schatten draußen vorbeihuschen sah. ... Da bemerkte sie, dass die Fensterscheibe ganz langsam beschlug und ihr der Dunst den Blick in die Dunkelheit versperrte.

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