LeseTipp: Yrsa SIGURÐARDÓTTIR, Das glühende Grab.

Island/Krimi/

 Yrsa SIGURÐARDÓTTIR: Das glühende Grab. Yrsa SIGURÐARDÓTTIR: Das glühende Grab.
(Aska., 2007)
362 S, ISBN: 978-3-596-18140-7
TB 18140
Frankfurt: Fischer TB-Verlag, 2008

Bewertung
Bewertung: 4 Sterne

Rezension

Isländische Krimiautorinnen und -autoren neigen dazu, den Schlüssel für die Verbrechen der Gegenwart in der Vergangenheit anzusiedeln. Ein fast schon extremes Beispiel ist der Roman Nordermoor von Arnaldur Indriðason, in dem ein Mord aus den 1940 Jahren aufgeklärt wwerden soll. In Yrsa Sigurðardóttirs Krimi Das gefrorene Licht liegen die Auslöser der aktuellen Morde in den 1940er Jahren.
So weit zurück geht sie im vorliegenden Buch nicht. Im Januar 1973 brach auf der einzig bewohneten Insel Heimaey der Westmännerinseln der Vulkan Eldfell aus, ein Großteil der Insel wurde unter den Lavamassen begraben.
30 Jahre später werden die letzten verschütteten Häuser des "Pompeji des Nordens" ausgegraben, darunter das Elternhaus von Markús Magnússon. Markús versucht, diese Ausgrabung mit Hilfe seiner Anwältin Dóra Guðmundsdóttir zu verhindern. Das gelingt ihm zwar nicht, aber er erhält die Erlaubnis, alleine und als Erster den Keller zu betreten, damit er dort einen für ihn wichtigen Gegenstand holen kann. Der wichtige Gegenstand ist eine Kiste, in der sich ein abgeschnittener Kopf befindet. Markús behauptet, seine Jugendliebe Alda habe ihm die Kiste kurz vor dem Vulkanausbruch anvertraut. Aber bevor Dóra sie noch zu dieser Geschichte befragen kann, wird sie tot ausgefunden - ermordet, wie sich bald herausstellt.
Markús hat aber noch ein anderes schwerwiegenderes Problem: im Keller werden drei männliche Leichen gefunden. Natürlich gerät Markús unter Mordverdacht. Hat er vor dem Vulkanausbruch die drei Männer getötet und dann in dem Keller versteckt? War, und wenn ja, wie war Alda daran beteiligt?
Dóra fragt sich zunächst, ob die damals Jugendlichen - leider lässt sich ihr Alter nicht festmachen - überhaupt zu so einer Tat in der Lage waren. Und langsam findet sie heraus, daß der Schlüssel zu den Leichen im Keller und möglicherweise auch zu Aldas Ermordung in einer Kette von Ereignissen kurz vor dem Vulkanausbruch liegt, und die danach in der Asche versunden zu sein scheinen.
Der Autorin gelingt es gut, ein Bild des Lebens in dieser kleinen Gemeinschaft - auf Heimaey lebten damals rund 5000 Menschen - und ihrer wechselseitigen Abhängigkeiten und Abneigungen zu zeichnen. Auch wollen die noch lebenden damaligen Bewohner eigentlich nicht über diese Zeit sprechen.
Der Roman fokusiert sehr stark auf Dóra, ihre Kinder kommen nur am Rand vor, ihr deutscher Freund Matthias ist in Deutschland und überlegt, ob er einen Stelle als Sicherheitschef in einer isländischen Bank annehmen soll. Die Sekretärin Bella erhält ein paar positivere Züge.
Fazit: Sigurðardóttir schreibt ruhige und bedächtige Krimis, die wie ein Abbild des Lebens in Island wirken. Auch dieser Krimi besticht weniger durch Spannung als durch eine gute Hintergrundrecherche, mit der die Atmosphäre und das Leben in Island spürbar werden.

"Aber weißt du, was ich nie verstanden habe? Warum so ein Dreckskerl wie Daði Magnús bei den Bullen nicht verraten hat. Wenn Daði nichts mit dem Blut zu tun hatte, hätte er doch erklären können, warum sie zu zweit am Hafen waren. Falls Daði in die Sache verwickelt war, ist das Ganze genauso unverständlich. Wenn beide Dreck am Stecken hatten, hätte Daði Magnús doch zweifellos verpfiffen."

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