LeseTipp: Gunnar STAALESEN, Todesmörder.

Norwegen/Bergen/Krimi/

 Gunnar STAALESEN: Todesmörder. Gunnar STAALESEN: Todesmörder.   Neu 
(Dødens drabanter., 2006)
413 S., ISBN: 978-3-945133-89-7
Varg Veum
Hamburg: Polar Verlag, 2019

Bewertung
Bewertung: 4 Sterne

Rezension

Kann man Menschen reparieren?
In den 1970er-Jahren arbeitet Varg Veum noch beim Jugendamt. Gemeinsam mit einer Kollegin wird er zu einer alleinerziehenden Mutter gerufen, die aufgrund von Alkohol- und Medikamentenmißbrauch nicht in der Lage ist, ihren etwa zweijährigen Son, Janni, zu versorgen. Der Junge wird in ein Jugendheim gebracht und später adoptiert.
Einige Jahre später trifft Veum wieder auf Janni. Sein Adoptivvater war die Kellertreppe hinabgestoßen worden und gestorben. Seine Frau gesteht die Tat als Unfall nach einer familiären Auseinandersetzung. Aber war sie es wirklich? Denn Janni hat versucht, Veum über eine Treppe hinabzustoßen.
Janni kommt zu neuen Pflegeeltern auf einem Bauernhof. Varg Veum hat mittlerweile beim Jugendamt aufgegeben und ist Privatdetektiv geworden. Einige Jahre später wird er um Hilfe gebeten. Jannis Pflegeeltern wurden brutal ermordet, und Janni ist mit einem Gewehr und einem Mädchen - eine Geisel? - in unwegsames Gelände geflüchtet. Dort verlagt er, Veum zu sprechen. Und dieser kann ihn tatsächlich zur Aufgabe überreden. Doch die Polizei hält ihn nach wie vor für den Täter und Janni wird verurteilt.
Nach etwa zehn Jahren wird er entlassen und wohnt in einem privat geführten Sozialheim Dort wird eines Tages der Lebensgefährte seiner leiblichen Mutter brutal erschlagen - und der Verdacht fällt natürlich auf Janni. Dieser hat noch dazu angekündigt, sich an Varg Veum rächen zu wollen. Aber die Geschichte ist doch weitaus verzwickter, wie Veum schließlich feststellt.
Fazit: In seinem 15. (und vermutlich letzten) Kriminalroman mit Varg Veum verhandelt Gunnar STAALESEN die Frage, ob man Menschen, die in ihren ersten zwei bis drei Lebensjahren traumatischen Erfahrungen ausgesetzt waren, wieder auf einen normalen Weg bringen, quasi "reparieren" kann. Seine Erkenntnis ist, daß das staatliche Sozialsystem dazu wahrscheinlich nicht oder nur in Ausnahmefällen fähig ist. Letzten Endes werden die Kinder doch nur verwaltet.
Der Roman ist auch ein Rückblick auf die Entwicklung und das Leben seiner Serienfigur Varg Veum. Bereits 2006 in Norwegen erschienen, ist er wohl erst anlässlich des Auftritts Norwegens als Ehrengast bei der Frankfurter Buchmesse 2019 ins deutsche übersetzt worden. Die Serie hat ihren Abschluß gefunden.

Noch immer hatte ich das Bild des weinenden kleinen Jungen im Rothaugskomplex vor Augen, an jenem heißen Tag im Juli 1970, als Elsa Dragesund und ich ihn mitgenommen hatten, und plötzlich fragte ich mich, ob wir ihn zu dem hier gemacht hatten. War dies das Resultat fünfundzwanzig Jahre währenden öffentlichen Engagements mit dem Ziel, einen neuen und besseren Menschen aus ihm zu machen oder ihm doch wenigstens einen Platz in der Gesellschaft zu ermöglichen, mit dem sowohl er als auch wir würden leben können? War dies das Beste, was wir erreichen konnten, unser einziger Beitrag zum Erfolg?

Top

weitere Bücher zum Thema
Norwegen
Bergen
Krimi
Bücher von Gunnar STAALESEN

Top