LeseTipp: Yrsa SIGURÐARDÓTTIR, R.

Island/Thriller/

 Yrsa SIGURÐARDÓTTIR: R.I.P. Yrsa SIGURÐARDÓTTIR: R.I.P.   Neu 
(Aflausn., 2016)
450 Seiten, ISBN: 978-3-442-75665-0
Huldar/Freyja 3
München: btb Verlag, 2019

Bewertung
Bewertung: 3 Sterne

Rezension

Island hat ein Problem mit Mobbing.
Ein junges Mädchen, Stella, wird ermordet, ein Junge entführt und wahrscheinlich getötet. Der Täter dokumentiert seine brutale Tat auf Social Media. Er schickt Videoclips an die Freunde der Opfer.
Huldar, dessen Chefin Erla nach einem One-Night-Stand mit ihm ihn möglichst ignoriert, wird beauftragt, die Zeugeneinvernahmen der Freundinnen Stellas durchzuführen. Zur Unterstützung gewinnt er die Psychologin Freya, mit der er eine unglücklich endende Kurzzeitbeziehung hatte. Er würde sie gerne wieder für sich gewinnen, aber sie will nicht.
Bald stellt sich heraus, daß Stella und ihre Freundinnen ein anderes Mädchen mitleidlos gemobbt haben. Wie auch der verschwundene Junge. Ein Racheakt der Gemobbten oder ihrer Eltern? Dann findet Freya endlich eine Spur, die in die Vergangenheit weist.
Mobbing, so scheint es, ist ein großes Problem an isländischen Schulen (und sicherlich nicht nur dort). Die Sozialen Medien leisten hier Vorschub. Die Schulbehörden nehmen die Angelegenheit meist nicht ernst, und die Eltern sind machtlos.
Über die sozialen Netzwerke hatten die Täter unbegrenzten Zugriff auf die Opfer, und es reichte nicht, sie in der Schule voneinander zu trennen. Das Lehrpersonal hatte keinerlei Handhabe gegen Lügen und Unschuldsbeteuerungen. Denn diejenigen, die andere mobbten, waren Meister darin, ihre schlimmsten Seiten zu verbergen. Vor allem Mädchen.
Fazit: Auch mit ihrem dritten Buch mit dem Ermittlerpaar Huldar/Freya findet Yrsa SIGURÐARDÓTTIR keinen Zugang zur Polizeiarbeit. Die Kriminalabteilung unter Erla erscheint nur chaotisch mit einem schlechten Betriebsklima. Die Beziehunhskonflikte Erla-Huldar-Freya nerven auf Dauer und bieten, wie das ganze Buch, wenig Spannung und Überraschung. Der Thriller dümpelt dahin, und auch die Auflösung ist letztlich unbefriedigend. Serien sind zwar offensichtlich ein Renner auf dem Buchmarkt, aber diese ist einfach zu lustlos. Schade um eine gute Autorin!

Die Augen des Jungen fielen zu. Sah aus, als befände er sich wieder in diesem Dämmerzustand. Doch dann öffneten sie sich wieder, langsam, und der Junge bemühte sich weiter, etwas zu sagen. Um besser zu hören, beugte er sich noch tiefer runter, beinahe berührte die Maske das fahle Gesicht. Sie hatte zwar keine Atemlöcher, aber trotzdem roch er es, als der Junge den Mund öffnete und versuchte, etwas von sich zu hauchen. Dieser Gestank war unverkennbar: der Geruch des Todes. Doch die Stimme des Jungen erstarb, ehe er etwas gesagt hatte. Er schien es endgültig aufzugeben. Er schloss den Mund, die Augen aber hielt er offen.

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