LeseTipp: Till RAETHER, Unterwasser.

Hamburg/Krimi/

 Till RAETHER: Unterwasser. Till RAETHER: Unterwasser.
393 S., ISBN: 978-3-499-29150-0
Adam Danowski 5
Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Polaris, 2018

Bewertung
Bewertung: 3 Sterne

Rezension

YouTube und Instagram im Kiminalroman.
Billy Swopp ist eine bekannte Youtuberin und Influencerin. Aber seitdem sie von der Präsentation von Mode und Kosmetik zur Erklärung der Welt übergegangen ist, sinken die Zugriffszahlen. Dann wird sie an einem Samstag Vormittag aus einem bekannten Hamburger Spaßbad entführt. Zufällig ist Adam Danowski, Hauptkommissar bei der Hamburger Kripo, mit seiner Tochter Martha anwesend - aber von der Entführung direkt bekommt er nichts mit.
Seine ehemalige Mitarbeiterin und Vertraute Meta Jurkschat wurde mit der Gründung einer Permanenten Sonderkommission "PerSo Sexualisierte Gewalt" betraut, und sie will den in die Fallanalyse abgeschobenen Adam im Team haben. Die Entführung von Billy Swopp wird ihr erster Fall.
Adam vermutet, daß die Entführung nicht echt ist, sondern nur ein Prank, eine Inszenierung, die Billy wieder mehr Klicks bringen soll. Selbst als eine Lösegeldforderung kommt und Billy im DarkNet angeboten wird, bleibt er unsicher, ob hier tatsächlich ein Verbrechen vorliegt. Aber dann beginnt die Situation zu eskalieren.
Till RAETHER hat einen modernen Kriminalroman geschrieben, in dem YouTube und Instagram und die sozialen Medien der Aufhänger der Geschichte sind. Man merkt, daß er sich - wie auch sein Protagonist Adam - Wissen um diese Szene bei seinen Töchtern holen musste. Inwieweit die Jugendsprache authentisch (oder vielleicht auch schon wieder überholt) ist, bleibt offen. Leider unterfüttert er die Handlung zu sehr mit den psychologischen Befunden und Verhaltenserklärungen. Adam Danowski hat ja bekanntlich ein psychisches Problem mit seiner Hypersensibilität, das in den vorangegangenen Romanen näher erläutert wurde. Aber so viel Psychologie überfordert und lässt die logischen Brüche stärker hervortreten.
Fazit: Ein interessanter Versuch, die Lebenswelt Jugendlicher in einem Krimi zu verarbeiten. Wenn auch der Spannungsbogen ein wenig flach bleibt, so spürt man im Verlauf doch immer stärker eine unterschwellige Bedrohung. Unterwasser bedeutet eine unterhalb des Oberwassers gelegene Seite eines Bauwerks - vielleicht eine Bedrohung, die aus dem Wasser steigt.

Wie hielten die Leute das aus, diesen ganzen Lebensscheiß, wo immer eine Sache noch obendrauf auf alle die anderen kam. Wo man wohnte und mit oder ohne wen, die Frau, die Kinder, das Geld, das Auto oder die Abwesenheit von all dem, die hunderttausend Handgriffe jedes einzelnen Tages, und alle unter Wasser: schweres Wasser. Wie das, in dem sie im Kernkraftwerk die Brennstäbe kühlten, schweres Wasser, durch das man sich den ganzen Tag und, jetzt zum Beispiel, die ganze Nacht kämpfte, und es hörte niemals auf, und ständig kam was Neues oder Altes und trieb wasserleichenartig wieder an die Oberfläche. Wie lebte man so. Wie lebte man.

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