LeseTipp: Anne HOLT, In Staub und Asche.

Norwegen/Oslo/Anne Holt/Krimi/

 Anne HOLT: In Staub und Asche. Anne HOLT: In Staub und Asche.   Neu 
(I støv og aske., 2016)
416 S., ISBN: 978-3-492-05697-7
Hanne-Wilhelmsen 10
München: Piper, 2018

Bewertung
Bewertung: 4 Sterne

Rezension

Kränkung und Rache.
Maria Kvam hat sich immer gegenüber ihrer Schwester benachteiligt gefühlt. Als die Eltern starben, erhielt sie nicht die Hälfte des Vermögens, nicht die Wohnung, nicht das Haus, nicht die Hütte. Mit dem Geld, das sie bekam, reiste sie durch die Welt. Darin sah sie ihren Lebensinhalt. Sie führte auch eine kleine Firma, die esoterische Artikel erzeugte und verkaufte. Mit überschaubarem Erfolg.
Das änderte sich, als Iselin Havørn in ihr Leben trat. Sie wurde die Liebe ihres Lebens. Iselin war ein Marketinggenie und führte die Firma zu finanzielle Höhen. Und sie betrieb einen rechten und rassistischen Blog unter einem Pseudonym. Als sie enttarnt wurde, brachte sie sich um.
Aber Hanne Wilhelmsen bezweifelt die Selbstmordtheorie, die sich vor allem auf einen Abschiedsbrief stützt. Sie glaubt nicht, daß Iselin depressiv war und einen Grund für ihre Selbsttötung hatte. Und sie hatte eine Liebhaberin, vielleicht wollte sie Maria verlassen.
Jonas Abrahamsen hat seine Frau Anna umgebracht und ist nach Verbüßung der Strafen freigelassen worden. Obwohl er den Mord gestanden hat, glaubt der damals ermittelnde Polizist, daß Jonas unschuldig ist. Und da er nun in Pension geht, bittet er Henrik Holme, sich die Sache anzuschauen. Der glaubt lange, es hier mit einem Selbstmord zu tun zu haben - allerdings ist die Tatwaffe verschwunden.
Die beiden Fälle stehen in einer interessanten Beziehung zueinander: Jonas' Frau Anna war die Schwester von Maria. Und sie hat nach deren Tod alles geerbt, da sich Anna von Jonas hatte scheiden lassen. Das ändert den Blickwinkel auf Selbstmord und Mord nachhaltig. Maria glaubt, durch diesen Tod die erlittenen Kränkungen endlich überwinden zu können, da ihr nun das bisher vorenthaltene Erbe zufällt. Und Jonas beschließt, sich für den Tod seiner Tochter durch einen Unfall, an dem er Schuld war, rächen zu können.
Fazit: Ob Kränkungen ein hinreichend starkes Motiv für diese Verbrechen sein können? Derzeit ist die These, das Kränkungen die Ursache für verschiedene Verhaltensweisen sein können, sehr in Mode. Will man mit der Rache Verletzungen zurückgeben?
Anne HOLT legt hier einen soliden Krimi mit einem überschaubaren Spannungsbogen vor. Die komplizierte Beziehung Hanne Wilhelmsen - Henrik Holme versteht man nur dann gut, wenn man den Vorgängerkrimi Ein kalter Fall gelesen hat. Das Ende wirkt überhastet und zerfranst und erklärt nur die Hälfte. Und daß dies der letzte Fall mit Hanne Wilhelmsen sein soll, erfährt man nur aus dem Klappentext - im Roman selbst gibt es keinen Hinweis. Und Anne Holt hat ja schon öfter versucht, sich von ihrer Hauptfigur zu trennen - vermutlich nicht immer ganz erfolgreich. Eine Serienfigur wieder loszuwerden ist scheints nicht einfach.

Die wachsende Zahl der Zuwanderungsfeinde machte ihr Angst. Es schienen so viele zu sein und immer mehr zu werden. Als ob sie speziell organisiert wären und nicht einfach nur über Facebook, Twitter und was auch immer in Kontakt miteinander stünden. Menschen, die politisch meilenweit voneinander entfernt gewesen waren, schienen sich in dieser einen relativ neuen Sache zu verbünden: Wir wollen die hier nicht. Sie schaden uns. Sie zerstören das, was uns gehört.
Die politische Landschaft ließ sich nicht mehr linear auf einer Achse von ganz rechts nach ganz links beschreiben.
(…)
Hanne Wilhelmsen hatte Angst vor dem, was hier heraufzog. In Norwegen, dem Land, in dem ihre Tochter, die halb türkisch und vor allem norwegisch war, aufwachsen und ihr Leben leben sollte.

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