LeseTipp: Einar Már GUDMUNDSSON, Isländische Könige.

Island/Roman/

 Einar Már GUDMUNDSSON: Isländische Könige. Einar Már GUDMUNDSSON: Isländische Könige.
(Íslenskir kóngar., 2012)
348 Seiten, ISBN: 978-3-442-75702-2
München: btb Verlag, 2016

Bewertung
Bewertung: 3 Sterne

Rezension

Das Leben in Island in Geschichten.
Der Knudsen-Clan aus dem (fiktiven) Fischerort Tangavik in Südisland ist groß. Der Ort - manchmal auch Fischereistadt genannt - ist ihr Zentrum, auch wenn die Familienmitglieder über ganz Island verstreut sind. Von hier aus fuhren ihre Fischkutter zum Heringsfang auf Meer, hier hatten sie ihre Fischfabriken, Lagerhäuser und Ladengeschäfte. Clan-Mitglieder saßen im Gemeinde- und Stadtrat, aber auch im Parlament. Sie stellten Minister, Botschafter und Kapitäne - aber nie den Präsidenten. Sie waren in praktisch allen Berufen tätig und bestimmten für mehr als zwei Jahrhunderte die Geschicke Tangaviks und Islands. Eben Könige.
Einar Már GUDMUNDSSON stellt in vielen kurzen Erzählungen einzelne Mitglieder des Knudsen-Clans vor, springt dabei in der Zeit und auch zwischen den Personen. Äußere bestimmende Ereignisse, wie etwa das Aufkommen der isländischen Nazis, die englische und später amerikanische Besatzung, handelt sein Ich-Erzähler, der nicht Mitglied des Clans ist, aus der Knudsen-Perspektive ab. "Auf welchem Kutter fährt der?" ist für den Stammvater Ástvaldur Knudsen die entscheidende Frage.
Fazit: Zwei Jahrhunderte isländischer Geschichte und vor allem die vielfältigen Lebensentwürfe der Isländer in knappen Erzählungen dargestellt. Ein etwas ungewöhnlicher Zugang, aber oft amüsant zu lesen.

Die Knudsens wohnen seit mehr als zwei Jahrhunderten in Tangavik, obwohl manche Familienmitglieder weit übers ganze Land verstreut sind und einige von ihnen im Ausland leben. In Tangavik bauten sie Heringssiedereien auf, Lagerschuppen und Ladengeschäfte, saßen im Gemeinderat und in der Stadtverwaltung, besaßen Fischtrockenplätze, Fischmehlfabriken, Motorboote, Trawler und Kühlhäuser, leiteten Blaskapellen, Männerchöre und Frauenvereine. Der Knudsen-Clan erlebte Glanzzeiten und war bankrott, er ging unter und stand wieder auf, so wie man das von Königsfamilien eben kennt, er wurde begeistert gefeiert und tödlich verachtet.

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