LeseTipp: Claudia RUSCH, Zapotek und die strafende Hand.

Mecklenburg-Vorpommern/Stralsund/Krimi/

 Claudia RUSCH: Zapotek und die strafende Hand. Der erste Fall. Claudia RUSCH: Zapotek und die strafende Hand. Der erste Fall.   Neu 
287 S, ISBN: 978-3-86648-172-5
Hamburg: marebuchverlag, 2013

Bewertung
Bewertung: 3 Sterne

Rezension

Wenn die Vergangenheit zurückkommt.
Henning Zapotek, Kriminalhauptkommissar am Hamburger LKA, hat sich ein Sabbatjahr genommen. Er will durch das Nordpolarmeer nach Jan Mayen und vielleicht weiter segeln. Vielleicht damit sein Leben neu orientieren und der drohenden Midlife-Crisis entkommen.
Vor 27 Jahren ist er aus der DDR geflohen. Nun muß er in sein ungeliebtes Heimatdorf Klokenzin bei Stralsund zurück, weil sich der Mieter des Wohnhauses seiner Eltern erhängt hat. Zapotek hatte keine enge Beziehung zu seinen verstorbenen Eltern, und eigentlich will er das Haus, an das ihn nichts bindet, nur los werden. Dann wird in das Haus eingebrochen und das Zimmer seines Exmieters durchsucht. Dessen Vater war kurz voher verstorben - die Untersuchung ergab einen Unfall. Aber Zapotek glaubt, hier einen Zusammenhang zu erkennen. Besonders, als der Chef der Bootsbauerfirma, in der Vater und Solhn gearbeitet hatten, aggressiv auf Zapotek reagiert. Außerdem war das Verhältnis von Vater und Sohn angespannt. Hatte der Sohn etwas mit dem Tod des Vaters zu tun?
Und dann begegnet Zapotek in Stralsund auch noch zufällig Ulrike, der Liebe seines Lebens. Er hatte sich vor seiner Flucht nicht von ihr verabschiedetet - um sie zu schützen, wie er sich auch vor sich selbst rechtfertigt. Ulrike hatte jahrelang nicht gewußt, ob er überhaupt noch am Leben war. Beider Leben, das sie wohl gemeinsam verbringen wollten, wurde durcheinandergewirbelt.
Fazit: Es ist eigentlich kein Krimi, den Claudia RUSCH hier vorlegt. Sondern die Geschichte einer ungewollten Rückkehr in die Vergangenheit, die immer eine schwärende Wunde für Zapotek blieb. Und eine unerfüllte Liebe des Lebens. Er fühlte sich nirgends ganz zugehörig, war kein Ossi mehr und kein Wessi geworden. Ein Leben in Schwebe, das vielleicht einen neuen Anfang gefunden hatte.

»Wagner hat mich um mein Leben mit dir gebracht«, sagte er und senkte den Blick.
»Und du hast mich um mein Leben mit dir gebracht«, erwiderte Ulrike mit ruhiger Stimme.
Sie schaute ihn lange an. Schließlich sagte sie: »Bist du sicher, dass du Tassilo Wagner so viel Macht über deine Entscheidungen zubilligen willst? So kenn ich dich gar nicht, Henning... Für mich war das alles auch sehr schwer. Ich habe lange mit unserer Geschichte gehadert. Aber es ist, wie es ist. Und ich habe eines gelernt. Vergebung gönnt man nicht anderen. Vergebung ist in erster Linie ein Geschenk, das man sich selbst macht. Es geht nicht um Tassilo, es geht nicht um diese Nacht in der Böttcherstraße oder um das große Ganze damals. Es geht nur um die Frage, ob du mit dieser Wut den Rest deines Lebens verbringen willst.«
Zapotek hatte ihr zugehört, ohne aufzusehen, und einen Moment lang wirkte es so, als würde er auf das Gesagte nicht reagieren. Dann ließ er wortlos seinen Kopf auf ihre Hand sinken und schloss die Augen. In dieser Nacht blieb Ulrike bei ihm.

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