LeseTipp: Indridi G. THORSEINSSON, Taxi 79 ab Station.

Island/Roman/

 Indridi G. THORSEINSSON: Taxi 79 ab Station. Indridi G. THORSEINSSON: Taxi 79 ab Station.
(79 as stödinni., 1955)
117 S, ISBN: 978-3-88747-247-4
Berlin: Transit, 2011

Bewertung
Bewertung: 4 Sterne

Rezension

Wenn die Freundschaft an der Liebe zerbricht.
Ragnar ist Taxifahrer mit dem Wagen Nr. 79 im Reykjavik der 1950er-Jahre. Bei der Rückfahrt vom amerikanischen Luftwaffenstützpunkt Keflavik trifft er auf Gógó, die mit ihrem Buick liegen geblieben ist. Er kann ihr helfen, und aus der Begegnung entwickelt sich eine leidenschaftliche Liebesbeziehung. Aber Ragnar hat Gógó nicht alleine. Da gibt es noch einen Ehemann - und möglicherweise einen amerikanischen Soldaten, der ihre Wochenenden beansprucht.
Gudmundur, Ragnars Freund und Mentor, versucht, Ragnar von Gógó wegzubringen und ihm irgendwie klarzumachen, daß sie nicht für ihn ist. Aber im Streit über diese Beziehung wird ihre Freundschaft zerbrechen - mit bösen Folgen. Und erst als es zu spät ist, muß Gudmundur anerkennen, daß er sich in Gógó getäuscht hat.
Fazit: Indridi Thorseinsson, der Vater des bekannten isländischen Krimiautors Arnaldur Indridason, legt in seinem einzigen auf deutsch übersetzten Roman ein authentisches Bild Islands in den 1950er-Jahren vor, nicht lange nach dem zweiten Weltkrieg. Amerikanische Truppen sind in Reykjavik stationiert, der Flughafen Keflavik ist ihrer Basis. Aber die Rolle der "Schutzmacht USA" wird schon in Frage gestellt, denn Island und die isländische Gesellschaft befinden sich in einem nachhaltigen gesellschaftlichen Umbruch. In einem an Ernest Hemingway erinnernden Stil - vor allem bei den knappen Dialogen - legt der Autor einen höchst treffsicheren Bericht über ein eigentlich banales Alltagsthema vor.

Im Mai gibt es stille kleine Seen auf den Wiesen, wenn die Schneeschmelze spät eingesetzt hat. Gedichte werden gemacht, über das Sonnenlicht, die Schwermut und den Goldregenpfeifer, wie nirgends sonst auf der Welt, denn nirgends sonst kommt der Frühling so wie hier. Was für eine Glückseligkeit, ein Kind zu sein und seine Ankunft zu spüren, das sollte man nie vergessen, denn heute liegt der Frühling nicht mehr still und träge über dem Scheunenvorplatz, so wie damals zuhause, nein, unser Frühling ist ein Stadtfrühling geworden. Und die nächste Generation wird überhaupt keinen Frühling mehr kennen, nicht die Stille und nicht die wasserblauen Wolken über der Hochebene; und man sollte auch nicht vergessen, dass unser Frühling nirgends weiterleben wird als in unseren Erinnerungen, und in einem Gedicht über Schwermut und Liebe auf dem rotbraunen, vom Schnee befreiten Land. Den Frühling findest du nicht in den Autos, sondern im eisigen Schmelzwasser unter den Füßen des Kindes, das durch die Seen auf der Wiese watet, im Geruch, im Licht und in der Erde. So ist der Mai.

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