LeseTipp: Arnaldur INDRIÐASON, Menschensöhne.

Island/Krimi/

 Arnaldur INDRIÐASON: Menschensöhne. Arnaldur INDRIÐASON: Menschensöhne.
(Synir Duftsins., 1997)
347 S, ISBN: 978-3-404-15530-9
Kommissar Erlendur 1
Bergisch-Gladbach: Bastei-Lübbe TB, 2006

Bewertung
Bewertung: 4 Sterne

Rezension

Ein pädophiler Lehrer wird an einer Provinzschule ertappt und flüchtet nach Reykjavík, wo er wieder eine Anstellung als Lehrer findet. Allerdings bekommt er die Sonderklasse, das sind jene, die von der Schule in jeder Hinsicht aufgegeben worden sind. Mit diesem Vorfall ist er erpressbar - und er wird erpresst.
Die Burschen in seiner Klasse werden im letzten Jahr plötzlich gute Schüler, aber noch verhaltensauffälliger als zuvor. Aber niemandem scheint das weiter aufzufallen. Zwei von ihnen sterben noch als Jugendliche, und am Ende bleibt keiner übrig.
Arnaldur legt seinen Debütkrimi ein wenig zu groß an. Die Geschichte ist zu konstruiert und science-fiction-artig. Da haben seine späteren Romanen viel mehr Bodenhaftung. Das Team um Kommissar Erlendur Sveinsson wird entwickelt, Sigurður Óli ist schon dabei, Elínborg wird nur erwähnt. Ein zentrales Thema, das sich durch alle seine Romane zieht, kommt auch zur Sprache: das spurlose Verschwinden von Menschen in Island, das einfach so hingenommen wird, ohne weiteres Aufsehen.
Fazit: die Stärken Arnaldurs sind schon deutlich sichtbar, wie auch seine Grundthemen. Daß er ein bißchen zu hoch gegriffen hat, kann man dem spannenden Roman durchaus nachsehen.

"Die Familienverhältnisse der Schüler waren unterschiedlich, aber den meisten ging es ziemlich schlecht, glaube ich. Häufig waren es die Mütter, die das Geld verdienten, die Kerle haben sich meist verdrückt. Der Alkohol floss in Strömen, und die Kinder kamen deshalb auch leicht an Schnaps heran. Tagsüber liefen wir herum, ohne dass sich jemand um uns kümmerte, zu Hause waren wir eigentlich nur nachts. Dieses System mit den Sonderklassen war wie auf uns zugeschnitten. Dass wir etwas lernten, war vollkommen nebensächlich, denn es ging nur darum, dass wir die schulische Karriere der anderen nicht behinderten. Halldór versuchte, uns bei der Stange zu halten, ihm war aber klar, dass nicht viel von ihm erwartet wurde. ..."

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