LeseTipp: Ursula SPITZBART, Zwischen Licht und Dunkel - Abenteuer Alltag in Island.

Island/Land & Leute/

 Ursula SPITZBART: Zwischen Licht und Dunkel - Abenteuer Alltag in Island. Ursula SPITZBART: Zwischen Licht und Dunkel - Abenteuer Alltag in Island.
250 S, ISBN: 978-3-940855-00-8
Mannheim: Dryas Verlag, 2009

Bewertung
Bewertung: 3 Sterne

Rezension

Sind die Bewohner Islands anders als Mitteleuropäer? Im Prinzip: Jein. Um hier zu einem genaueren Urteil zu kommen, ist der Blick von außen, von jemandem, der mit ihnen lebt und doch ein Außenstehender ist, besonders wertvoll.
Ursula Spitzbart ist Deutsche. Ihre erste Begegnung mit Island war eine Urlaubsreise als Rucksack-Touristin. Auf dieser Reise lernte sie Stefán kennen und später lieben, und 2003 lebt sie mit ihm und der gemeinsamen Tochter in Reykjavík. Als wache und interessierte Beobachterin hat sie viele Aspekte des isländischen Alltags beleuchtet und sehr amüsant geschildert.
Die Isländer sind geprägt von der Auseinandersetzung mit einer rauhen Natur, was sie zu einem solidarischen Verhalten führt. Ihre geografische Lage in Amerika und Europa förderte ein gewisses "frontier"-Verhalten und ein starkes Interesse an technischen Neuerungen. Vorausplanung ist ihre Stärke nicht, vieles ergibt sich einfach, wird spontan gemacht - und irgendwie geht es immer.
Andererseits sind sie sehr nationalbewußt und -stolz, im Alltag oft rücksichtslos. Es gibt bestimmte Rituale und Verhaltenszwänge, denen man praktisch nicht entkommen kann.
Fremde wurde bereitwillig aufgenommen und in die isländischen Sitten mit Geduld eingeführt - allerdings hat sich dieses Verhalten angesichts des anschwellenden Zustroms geändert: als kleines Volk beginnen manche um die isländische Identität zu fürchten. Und wirklichen Anschluß und Freunde kann man als Ausländer dann doch nicht finden.
Fazit: nach der amüsanten Lektüre versteht man als Mitteleuropäer das isländische Wesen und die Lebensart der Isländer besser. Leider hinterläßt das Buch manchmal den Eindruck eine Erlebnisaufsatzes, das Niveau etwa der Gebrauchsanweisung von Kristof Magnusson erreicht es nicht ganz.

"þetta reddast - das lässt sich retten"! Das kriegen wir schon hin! Es wird sich eine Lösung finden! Dieses isländische Lebensmotto hat enorme Auswirkungen auf das tägliche Leben hier. Derjenige, dem Planung und Organisation, Pünktlichkeit und Zeitsinn wichtig sind, wird sich folglich immer wieder am Rande der presönlichen Verzweiflung wiederfinden. ... Hier ruht der vielleicht sicherste deutsch-isländische Konfliktstoff, und das nicht nur in privater Beziehung. [...]
Eine isländische Firma wollte einen Informationsstand auf der Frankfurter Messe reservieren lassen. Dem Geschäftsmann konnte man nur noch die enttäuschende Auskunft geben, dass alle Standplätze schon seit Monaten vergeben wären, da besagte Messe ja bereits in einer Woche beginnen würde.

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