Weihnachtskerzen

„Winter lässt sein graues Band / Wieder flattern durch die Lüfte; / Süße, wohlbekannte Düfte / Streifen ahnungsvoll das Land”
Eduard Mörike (1804-1875), dt. Lyriker


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LeseTipp: Arthur RÜEGG [Hrsg.], René Burri.

Fotografen/René Burri/Bildband/

 Arthur RÜEGG [Hrsg.]: René Burri. Brasilia. Fotografien 1958–1997. Arthur RÜEGG [Hrsg.]: René Burri. Brasilia. Fotografien 1958–1997.
221 S, ISBN: 978-3-85881-307-7
Zürich: Scheidegger & Spiess, 2011

Bewertung
Bewertung: 4 Sterne

Rezension

Die Stadt aus der Retorte.
Der Plan, die brasilianische Hauptstadt weg vom Meer ins Landesinnere zu verlegen, stammt aus dem 19. Jahrhundert. Aber erst im Oktober 1955, mit der Wahl von Juscelino Kubitschek (1902-1976) zum Präsidenten, wurde er konkret. Und bereits im April 1960 sollte die Stadt - Brasilia - bezugsfertig sein. Oscar Niemeyer (1907-2012) wurde der Hauptarchitekt. Fast alle Repräsentationsbauten des Regierungsviertels tragen seine Handschrift.
1958 kam René Burri zum ersten Mal für eine Kurzvisite nach Brasilia, eine riesige Baustelle, wo gerade mal die Residenz des Präsidenten fertig gestellt war. Aus dem Kurzbesuch entstand ein Langzeitprojekt, in dem Burri das Werden der Stadt dokumentierte.
Das Buchprojekt Brasilia zeigt dieses Langzeitprojekt in 80 Schwarz-Weiß- und 150 Farbfotografien. Denn René Burri hatte schon früh die Zeichen der Zeit erkannt und fotografiert auch in Farbe - oft gleichzeitig mit zwei Kameras. Sein "Doppelleben" nannte er das.
Burris Bilder sind einerseits eine Manifestation seiner Ausbildung: streng, auf Formen bedacht, geometrisch strukturiert. Und andererseits - überwiegend in den Farbaufnahmen -stellt er die Aufnahmen aus dem Alltag, dem Leben der Menschen dort, diesen sachlichen Bildern gegenüber.
Die Abbildungen sind gut auf Hochglanzpapier gedruckt, leider fehlen die Bildunterschriften, die erst am Ende des Buches zusammengefasst nachgeliefert werden. Nicht sehr praktisch. Ergänzt werden die Fotos durch einen Essay von Arthur Rüegg, der die Entstehungsgeschichte der Stadt und Burris Rolle thematisiert. Weiters gibt es Ausschnitte aus den Zeitschriften der Zeit, die sich mit dem Werden Brasilias befassen (Texte in deutsch und englisch).
Fazit: der Fotoband ist nicht nur ein Abbild der ausdrucksstarken Bildsprache von René Burri, sondern auch eine interessante fotografische Langzeitstudie vom Werden einer Stadt.

Als schliesslich ein Besuch des US-Aussenministers John Foster Dulles beim brasilianischen Präsidenten Juscelino Kubitschek bevorstand, hatte Rene Burri das Ereignis auf Zelluloid zu bannen. So kam es, dass er, gemeinsam mit dem Fotografentross des Politikers, erstmals von Rio weit ins Landesinnere nach Brasilia vorstossen konnte. Die neue Hauptstadt war damals eine Baustelle. Was Burri im Landeanflug erhaschte, glich einem gigantischen Land-Art-Projekt oder einer mittelamerikanischen Ruinenstätte. Die Bilder zeigen wie mit einem Stichel in die mit niedrigen Büschen übersäte Hochebene gegrabene Linien sowie Scharen von länglichen Erdaufwürfen, zudem, in der Nähe eines wild mäandrierenden Flusses, einen fein gegliederten schneeweissen Baukomplex, der wie ein Architekturmodell wirkt; es handelte sich um die Ende Juni 1958 als erstes Regierungsgebäude fertiggestellte Präsidentenresidenz. Burri fotografierte die Ankunft der beiden Politiker auf dem Rollfeld, die Begrüssung durch die Schüler des ersten in Brasilia eröffneten Ginásio und das Staatsdiner im Brasilia Palace Hotel, ferner Fragmente des «Alvorada»-Präsidentenpalasts. Für den im Werden begriffenen Stadtkörper blieb offenbar keine Zeit. Das sollte sich ändern: Brasilia wurde eines von Burris grossen, über viele Jahre weiterverfolgten Projekten, das in diesem Band erstmals in seiner Gesamtheit zur Darstellung kommt. (Arthur Rüegg, René Burris Reisen nach Brasilia)

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