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Ausstellung: Tobias Madörin - Topos (Zürich)

[Die Bilder wurden mit Beendigung der Ausstellung aus copyright-Gründen entfernt]

Der Künstler Tobias Madörin fotografiert seit 1991 Situationen in Städten und Landschaften.

Die Galerie Bildhalle zeigt in der Photobastei die Fotoserie „Topos” des Fotokünstlers Tobias Madörin Aufnahmen aus Barcelona, São Paulo, Grindelwald, Venedig, Uganda, Japan und Indonesien.

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Tobias Madörin: La Fenice, Venice, Italy, 2003
130 x 109 cm (51 x 43 in.), C-Print, Edition 3 & 1 AP
Foto © Tobias Madörin

Tobias Madörin führt die Betrachter an die unterschiedlichsten Orte dieser Welt, interessiert sich dabei aber für strukturell ähnliche Phänomene: Der gebaute Raum ist zum einen Ausdruck menschlicher Wünsche und Ideen, zum anderen Schauplatz des Handelns. Er fokussiert auf Sammlungspunkte der Gesellschaft wie Plätze, Fussballstadien, öffentliche Schwimmbäder oder Strände. Er beobachtet aber auch Räume, die sich am Rand der Aufmerksamkeit befinden: Orte an der Peripherie der Städte, genutzte Landschaft im Irgendwo zwischen grossen Zentren. In einigen Bildern sind Menschen zu sehen, zuweilen sehr klein, aber zahlreich, in manchen ist allein das Gebaute und Gestaltete das Bildmotiv. Oft ist die Natur stark umgestaltet.

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Tobias Madörin: Weesen, Switzerland, 1999
142 x 109 cm (56 x 43 in.), C-Print, Edition 3 & 1 AP
Foto © Tobias Madörin

Hochwasser in Weesen, Schweiz. Zu sehen ist eine Landhausvilla mit Garage, sockelhoch im Wasser. Der Pegelstand zieht eine Linie durch das Anwesen, das Inbegriff ist einer neureich-kleinkarierten Wohnidylle. Er bildet zugleich die Spiegelachse, an der die Szenerie nach unten geklappt und auf den Kopf gestellt ist: Zedern, Buchen, Föhren, ein Berg und Wolken spiegeln sich malerisch in der Wasserfläche, und so wird das Anwesen zu jenem Wolkenkuckucksheim, das es eigentlich auch ohne Flut schon ist. Als gebaute Fiktion ist es beispielhaft für viele Material gewordene Lebensentwürfe oder Wunschträume. Gleichzeitig stellt das Haus imWasser einen Topos dar für die existenzielle Gefährdung, in welcher der Mensch nun einmal zu leben hat und die letztlich durch kein noch so hübsch konstruiertes Privatparadies zu eliminieren ist.

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Tobias Madörin: Jänschwalde, Germany, 2005
244 x 180 cm (96 x 71 in.), C-Print, Edition 3 & 1 AP
Foto © Tobias Madörin

Schürfen in Jänschwalde, Deutschland. Im Vordergrund Container, Lastwagen in Goldgelb und schwere Reifenspuren in der ockergelben Erde. Dahinter eine tief abgesenkte, exakt ausgehobene und lang gezogene Grube mit schwarzerdigem Grund. Eine riesige klaffende Wunde liegt hier unter einem Himmel mit rundlichen Wolken; die Erde ist flach, der Himmel weit. Jänschwalde ist ein imposantes Beispiel für Braunkohle-Tagebau, für das Aufschürfen der Erdoberfläche, das Graben nach Schätzen mit schweren Maschinen. Jänschwalde ist Topografie, die entsteht, wenn Tatsachen geschaffen werden, wenn also herausgeholt wird, was man braucht, koste es, was es wolle. Jänschwalde ist der Topos für den Auftrag, sich die Erde untertan zu machen.

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Tobias Madörin: Playa de Levante (Night), Bernidorm, Spain, 2002
140 x 109 cm (55 x 43 in.), C-Print Edition 3 & 1 AP
Foto © Tobias Madörin

Tobias Madörin wählt seine Motive mit einem instinktiven Gespür für das Beispielhafte ihrer formalen Erscheinung und für ihre Eigenschaft als Bühne. Zwischen den Begriffen «Motiv», «Beispiel», «Formkategorie» und «Gemeinplatz» schillernd, auf «Gelände-» oder «Terrainbeschreibung» deutend, stellt der Titel Topos die grossformatigen Bilder in ein weites künstlerisches, kulturelles und gesellschaftliches Bedeutungsfeld. Und spielt – nicht zuletzt – auf die einflussreiche, 1975 in den USA gezeigte Fotoausstellung New Topographics: Photographs of a Man-Altered Landscape an.

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Tobias Madörin: Kabale II, Uganda, 2010
232 x 180 cm (91.3 x 71 in.), C-Print, Edition 3 & 1 AP
Foto © Tobias Madörin

Jede Epoche und Kultur hat ein gesellschaftlich etabliertes Verhältnis zur Natur, das in den Landschaftsdarstellungen zum Ausdruck kommt. Die grosse, über 20 Jahre entstandene Topos-Arbeit steht jedoch nicht nur in der Tradition realistischer Landschaftsdarstellungen in der Malerei und der frühen Fotografie. Sie führt auch die Geschichte der grossformatigen Landschaftsfotografie fort, die ab den 1980er-Jahren die Museen und Kunstmärkte eroberte. Diese baute ihrerseits auf einer der einflussreichsten Kunstströmungen des 20. Jahrhunderts auf: Mit der 1975 im George Eastman House in Rochester, USA, gezeigten Fotoausstellung New Topographics: Photographs of a Man-Altered Landscape bekam das bereits in den 1960er-Jahren gewachsene Interesse der Kunstschaffenden an Alltagskultur und am Medium Fotografie eine pointierte Präsentation und einen Namen: New Topographic Movement.

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Tobias Madörin: Centro do Rio de Janeiro, Brazil, 2002
235 x 180 cm (92.5 x 71 in.), C-Print, Edition 3 & 1AP
Foto © Tobias Madörin

Tobias Madörin wichtigster Bezugspunkt ist jedoch Joel Sternfeld (*1944) und vor allem seine Serie American Prospects, ab 1978 entstanden und 1987 zum ersten Mal als Buch publiziert. Sternfelds Tableaus der zeitgenössischen amerikanischen Vorstadtwohngegenden, der teils abgelegenen Dörfer und der dünn besiedelten, weiten Landschaften zeigen die (gestaltete) Landschaft einerseits als Ausdruck menschlicher Wünsche und Ideen, andererseits ist sie Schauplatz von Geschehnissen, die manchmal nicht auf den ersten Blick zu erkennen sind, etwa die Folgen, welche die Einstellung der Produktion einer Fabrik haben. Oft als Fortsetzung in Farbe von Walker Evans‘ (1903–1975) schwarzweiss fotografierten amerikanischen Ansichten aus den 1930er-Jahren gepriesen und in jedem Fall stilbildend für die Fotokunst ab den 1990er-Jahren, liefern Sternfelds Fotografien eine einzigartige Zustandsanalyse von Amerikas Landschaft und Kultur – ebenso poetisch wie melancholisch, ironisch wie bissig.
Der Vorbildcharakter von Joel Sternfelds Arbeit für Tobias Madörins weltumspannend an den unterschiedlichsten Orten gefundene Ansichten, diesen Contemporary Global Prospects, ist unübersehbar. Verwandt ist vor allem auch ihr Sinn für das Ambivalente, für Situationen, in denen sowohl die konstruktiven, hoffnungsfrohen wie die zerstörerischen Kräfte der Natur und des Menschen sichtbar oder zumindest spürbar werden.

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Tobias Madörin: Secs, Sao Paolo, Brazil, 2002
185 x 140 cm (73 x 55 in.), C-Print, Edition 3 & 1 AP
Foto © Tobias Madörin

Was aber Tag für Tag annähernd gleich bleibt, bildet einen unbewussten Ort. Das sind die Bühnen für unser tägliches Drama. Davon handeln Tobias Madörins Bilder Topos. Es sind Landschaften als Ausdruck der fragilen Balance von Gestaltungskraft und Ausgeliefertsein, von temporärer Macht und unausrottbarer Gefährdung.
[Der Text basiert auf Nadine Olonetzky, „Contemporary Global Prospects – Zu Tobias Madörins Fotoarbeit «Topos»”]

„Madörin beobachtet die von ihm gewählten Orte weder mit wertendem noch moralisierendem Blick, aber gerade deshalb schafft er Bilder, die vom latenten, zuweilen eruptiv aufbrechenden Drama des Daseins erzählen. Zuerst nur fein, bei genauer Betrachtung umso eindringlicher werden in vielen Bildern Spuren von Verwüstung oder Verletzung deutlich.” (Nadine Olonetzky)

Tobias Madörin (* 1965 Basel/Schweiz) lebt und arbeitet in Zürich. Reisen durch Europa, Süd- und Nordamerika sowie Asien und Afrika führten ihn an die verschiedensten Orte, an denen Bilder für sein Langzeitprojekt Topos entstanden. Seit 1990 stellt Tobias Madörin regelmässig in Gruppen- und Einzelausstellungen aus, u.a. in der Galerie Stihl Waiblingen, im Museo Cantonale d’Arte Lugano (2013), in der Galerie A.C. Kupper Modern, Zürich (2012), im Ausstellungsraum 25, Zürich, und im Kunsthaus Zürich (2006), im Museum im Bellpark Kriens und im Schweizer Pavillon an der Weltausstellung Expo 2005, Aichi, oder im Museum of Architecture, Moskau (2002). Tobias Madörin wurde mit Stipendien und Preisen ausgezeichnet, sein Werk ist in mehreren Kunstsammlungen vertreten. Er publizierte die Bildbände «Berlin – City in Space» (Vice Versa Verlag, 2004), «Gleichgesinnt. Der Verein – ein Zukunftsmodell» (Kontrast Verlag, 2003) und «Barcelona – City in Space» (Neuer Kunst und Medienverlag Zürich, 2001).

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Begleitpublikation/Ausstellungskatalog

Nadine OLONETZKY (Hrsg): Tobias Madörin. Topos. Contemporary Global Prospects.
224 S. ISBN 978-3-85881-372-5
Zürich: Scheidegger & Spiess, 2014. (Text Deutsch und Englisch)

Seit über 20 Jahren arbeitet der Fotokünstler Tobias Madörin (*1965) an der Fotoserie Topos. Ob Barcelona, São Paulo oder Grindelwald, ob in Uganda, Japan oder Indonesien: Mit seinen grossformatigen Farbfotografien – eigentlichen Tableaus, wie es die grossen Landschaftsgemälde des 19. Jahrhunderts waren – erforscht Madörin vom Menschen geprägte Orte. Tobias Madörin. Topos ist die erste Monografie, die das Werk dieses bedeutenden Schweizer Fotokünstlers präsentiert. Das Buch zeigt die wichtigsten Bilder der Serie, kommentiert von einem Essay, der sie in die zeitgenössische Fotografie und in die Geschichte der Darstellung von Landschaft und Stadt einordnet. [Verlagstext]

Auf einen Blick

Flagge Schweiz

Tobias Madörin - Topos (Zürich)

ausstellungsbild

Photobastei
Bärengasse 29, CH-8001 Zürich
,
Tel. +41 (0)78-6243000
[05. Juni 2014 bis 06. Juli 2014] | beendet

Webseite Ausstellung
Webseite Veranstalter (Bildhalle)
Webseite Tobias Madörin
Themenkontext: Reisefotografie

[Die Bilder wurden mit Beendigung der Ausstellung aus copyright-Gründen entfernt]

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