Reisetipps Antarktis

In der Antarktis gibt es weder Hotels noch Restaurants, jede Reise erfolgt als Expeditionskreuzfahrt mit dem Schiff. Daher ist die Schiffswahl von zentraler Bedeutung.

Reisen in die Antarktis erfolgen gewöhnlich per Schiff, mit der gemieteten oder eigenen Segelyacht oder mit einem Kreuzfahrtschiff. Route und Anlandungen sind immer von Wind- und Wetterverhältnissen abhängig. Für die meisten Touristen ist die Expeditions-Kreuzfahrt der Weg, die Antarktis zu entdecken. Daher ist die Schiffswahl die wichtigste Entscheidung.

Schiffswahl

Bei der Schiffswahl sollten folgende Punkte besonders beachtet werden: Schiffsgröße - Eisklasse - Bordsprache - Kabine - Schiffsausstattung - Zusatzkosten - Expertenteam

Schiffsgröße

Aufgrund der Anzahl der Passagiere werden die Schiffe von der IAATO (International Association of Antarctica Tour Operators) in vier Kategorien eingeteilt: bis 12 Passagiere, 13 bis 200 Passagieren, 201 bis 500 Passagiere und über 500 Passagiere. Der Aufenthalt an Land ist auf vier Stunden begrenzt, wobei immer nur 100 Personen gleichzeitig anlanden dürfen. Bei Schiffen mit mehr als 500 Passagieren sind keine Anlandungen erlaubt.

Antarktische Halbinsel, Petermann Insel, MS Zaandam, MS Hanseatic
Antarktische Halbinsel, Petermann Insel, Februar 2016
die 1432 Passagiere der MS Zaandam (hinter der MS Hanseatic) erleben die Antarktis nur als Kulisse
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Wenn man nicht - wie etwa die Passagiere der MS Zaandam - die Antarktis nur vom Schiff aus sehen will, sollte man genau auf die Schiffsgröße achten: die Kategorie 13 bis 200 Passagiere erscheint als gelungene Mischung zwischen Komfort und Erlebnis. Aber auch die Kategorie 201 bis 500 Passagiere ist erwägenswert. Hier sind die persönlichen Ansprüche und Erwartungen maßgeblich. Die Wahl lässt sich anhand der Schiffsausstattung präzisieren.

Südshetlandinseln, Deception Island, Whalers Bay, MS Hanseatic
Südshetlandinseln, Deception Island, Februar 2016
Privatyacht vor der MS Hanseatic in der Whalers Bay
Foto © www.bilderreisen.at/Walter Reinthaler (cc)

Sehr individuell ist natürlich die Fahrt mit einer Privatyacht, allerdings gehört angesichts der oft schwierigen und stürmischen Wetterverhältnisse auch einiger Mut dazu. Eine Vorstellung davon kann man in der faszinierenden Reisebeschreibung von Thies MATZEN/Kicki ERICSON bekommen.

Eisklasse

Auch im Sommer sind die antarktischen Gewässer nicht eisfrei. Eisschollen treiben im Wasser, Packeisbildung ist möglich. Nur eine entsprechende Eisklasse ermöglicht es den Schiffen, hier zu fahren. Der Germanische Lloyd als international tätige Klassifikationsgesellschaft kennt fünf Eisklassen:

  • E4 - Extreme Eisverhältnisse (Eisdicke bis 1 m), entspricht der finnisch-schwedischen Eisklasse 1A Super
  • E3 - Schwierige Eisverhältnisse (Eisdicke bis 0,8 m), entspricht der finnisch-schwedischen Eisklasse 1A
  • E2 - Durchschnittliche Eisverhältnisse (Eisdicke bis 0,6 m), entspricht der finnisch-schwedischen Eisklasse 1B
  • E1 - Leichte Eisverhältnisse (Eisdicke bis 0,4 m), entspricht der finnisch-schwedischen Eisklasse 1C
  • E - Sehr leichte Eisverhältnisse (Eisdicke bis 0,15 m) bzw. Normales Schiff, entspricht der finnisch-schwedischen Eisklasse II/III

Die MS Hanseatic und die MS Bremen haben die Eisklasse E4.

Bordsprache

Sehr wichtig ist, daß man die jeweilige Bordsprache gut beherrscht. Denn nur dann kann man die Expertenvorträge voll nutzen, die ja einen wesentlichen Teil einer Antarktis-Reise ausmachen. Alle Expeditions-Kreuzfahrten folgen dem Lindblad-Modell von 1971, bei dem den Passagieren nicht Animation, sondern Vorträge zu Flora und Fauna und über das Zielgebiet geboten werden. Und auch die auf bestimmte Ereignisse hinweisenden Durchsagen erfolgen meist nur in der Bordsprache.

Kabine

Bei den üblichen angebotenen Reisen verbringt man etwa drei Wochen auf dem Schiff, die Kabine sollte daher einige Kriterien erfüllen. Auf jeden Fall sollte sie über ausreichend Stauraum (Unterbringung der Koffer), Kästen und sonstige Laden und Ablagen verfügen. Auch die Größe ist nicht unwesentlich: natürlich gibt es auf einem Schiff zahlreiche Aufenthaltsmöglichkeiten (Bar, Lounge), aber wenn man einfach Ruhe haben will, ist die Kabine ein Rückzugsort. Wir wählten die MS Hanseatic unter anderem auch wegen der Größe der Kabinen: 22 m². Da hat man wirklich Platz, neben ausreichend breiten Betten gibt es einen dreiteiligen Kasten, einen Schreibtisch mit zahlreichen Laden und eine Sitzecke.
Die Betten sollten unbedingt in Fahrtrichtung ausgerichtet sein, dann hat man bei Seegang nicht die Befürchtung, aus dem Bett zu fallen. Für die rauhe antarktische See ist eine Kabine möglichst weit unten von Vorteil - man spürt die Schwankungen viel weniger -, in der Karibik mag es weiter oben reizvoller sein (aber auch teurer).

Schiffsausstattung

Mit der Schiffsausstattung ist das Verhältnis Passagiere : Crew gemeint, aber auch die Anzahl der Zodiacs. Mehr Besatzung bringt mehr Komfort, mehr Zodiacs kürzere Wartezeiten und schnellere Anlandungen. Eventuell interessant ist auch die Anzahl der Restaurants (kann das Abendessen in einer Sitzung stattfinden), Bars oder Lounges. Wasser, Kaffee und Tee sollten ganztägig gratis erhältlich sein.

Zusatzkosten

Welche Getränke sind inkludiert, welche muß man extra bezahlen, wie teuer sind sie? Wird ein Servicezuschlag (oft zwischen 15-18%) erhoben? Gibt es obligatorisches tägliches Serviceentgelt oder ist das den Passagieren freigestellt? Diese Zusatzkosten können den oft günstig erscheinenden Reisepreis am Ende ziemlich in die Höhe treiben. Es lohnt also, das Angebot genau zu prüfen, damit man am Ende keine unliebsamen Überraschungen erlebt.
Auf den Schiffen von Hapag-Lloyd Cruises gibt es keinen Servicezuschlag und kein Serviceentgelt. Natürlich gibt man dem Restaurantteam und der Kabinenhostess eine individuelle Anerkennung, für die Crew gesamt wird eine Lotterie veranstaltet, für die man Lose kauft.

Expertenteam

Obwohl das Expertenteam ganz wichtig ist, ist es eigentlich kein Schiffsauswahlkriterium: man kennt die Personen ja nicht im vorhinein, weiß nicht, wer auf welcher Fahrt und welchem Schiff dabei ist. Hier kann man sich nur auf die Qualität des Anbieters verlassen.

Ausrüstung, Bekleidung

Hier sei auf die sehr gute Übersicht und Beschreibung in den Reiseführern von Christine Reinke-Kunze und Christian Walther hingewiesen.

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