LeseTipp: Leonardo PADURA, Ein perfektes Leben.

El Conde/Cuba/Havanna/Krimi/

 Leonardo PADURA: Ein perfektes Leben. Das Havanna-Quartet: Winter. Leonardo PADURA: Ein perfektes Leben. Das Havanna-Quartet: Winter.
(Pasado perfecto., 2000)
, ISBN:
Wien: Donauland, 2007

Bewertung
Bewertung: 5 Sterne

Rezension

Teniente Mario "El" Conde von der Kriminalpolizei in Havanna wird mit seiner Jugend konfrontiert. Am 1 Januar 1999 unsanft von seinem Vorgesetzten geweckt, bekommt er den Auftrag, den verschwundenen Rafael Morín zu suchen, ein hoher Kader der kubanischen Nomenklatura. Aber mit ebendiesem, schon damals ein Vorbild des Sozialismus, ist El Conde zur Schule gegangen. Außerdem hat er Tamara geheiratet, die heimliche Liebe und der Traum El Condes.
Während El Conde von seinen Erinnerungen und verlorenen Chancen - er wollte eigentlich Schriftsteller werden - gequält wird, ihn das erneute Zusammentreffen mit Tamara fast aus der Bahn wirft, zeigen sich erste Flecken auf der scheinbar blütenweißen Weste Moríns. Die Gelegenheit zu Auslandsreisen und Dollar-Spesen korrumpieren scheints auch die treuesten Revolutionäre. Und so sieht El Conde auch das Scheitern der Träume und Illusionen, nicht nur seiher eigenen, sondern seiner ganzen Generation. Und so wie sein Freund, genannt "Der Dünne", an seiner Verwundung aus dem Angola-Krieg langsam sterben wird, scheinen auch die Errungenschaften und Illusionen der kubanischen Revolution dahinzusiechen.
Fazit: Padura, der in Havanna lebt, ist hier nicht nur ein nachdenklich stimmender und berührender Roman gelungen, ein stimmiges Bild Kubas und seiner Menschen, sondern auch eine leise und differenzierte Kritik am Alltag der kubanischen Revolution.

Die Einsamkeit, dachte er, ist keine unheilbare Krankheit. Eines Tages vielleicht würde er seine alten Illusionen wieder haben, würde in einem Haus in Cojímar wohnen, wie Hemmingway, direkt an der Küste, in einem Holzhaus mit roten Dachziegeln und einem Zimmer zum Schreiben. Dann würde er sich nicht mehr mit Mödern und Dieben, mit Tätern und Opfern herumschlagen müssen, und Rafael Morín würde wieder aus seinem Gedächtnis verschwinden, in dem nur die guten Erinnerungen überleben würden, so wie es sein muss. Erinnerungen, die die Zeit hinüberrettet und beschützt, damit die Vergangenheit keine ungeheuere, entsetzliche Last ist und man nicht zur Brücke gehen muss, um seine Liebe in den Fluss zu werfen, wie es in dem Lied von Vincentico Valdés heißt: 'Zur Brücke will ich gehen / deine Liebe zu werfen in den Fluss / zu sehen, wie sie ins Leere stürzt / und fortgerissen wird vom Strom.'

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