LeseTipp: Michael SAUR/Thomas SCHULER, Das Leben war ein Pfeifen.

Cuba/Land & Leute/

Michael SAUR/Thomas SCHULER: Das Leben war ein Pfeifen. Kubanische Fluchten. Michael SAUR/Thomas SCHULER: Das Leben war ein Pfeifen. Kubanische Fluchten.
132 S. S., ISBN: 3-85452-734-9
Picus Lesereisen
Wien: Picus Verlag, 2000

Bewertung
Bewertung: 4 Sterne

Rezension

Ein Blick in den kubanischen Alltag zwischen 1993 und 1999. Neben den Beiträgen über Musik und Tanz (die wohl so eng mit Cuba assoziiert werden, daß sie nirgends fehlen dürfen) und über Marita Lorenz, die Geliebte und beinahe-Mörderin Fidel Castros, bringt der schmale Band tiefe Einblicke in das tägliche Leben und den Überlebenskampf der Kubaner, die man als Tourist wohl kaum gewinnt.
Es ist ein Kampf gegen den Mangel, besonders in der Zeit nach der Implosion der Sowjetunion, gegen die allgegenwärtige Überwachung, Korruption und Kleinkriminalität, die besonders nach der Freigabe des Dollars massiv anstieg. Ein Beitrag behandelt die besondere Freundschaft zwischen Cuba und der DDR, die allerdings auch nicht so reibungslos verlief, wie offiziell behauptet.
Fazit: Nein, das ist kein karibikgeschwängertes Buch über immer fröhliche, Salsa tanzende Kubanerinnen und Kubaner. Das ist ein illusionsloser Blick in eine harte Lebensrealität voller Entbehrungen und Hindernisse, die die Kubaner trotzdem meist mit Gleichmut hinnehmen und sich ihre Lebensfreude nicht austreiben lassen.

Motorradrennen? Die ganze Insel ist in Apathie verfallen, weil seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion das billige Öl fehlt. Achtzig Prozent der Fabriken stehen still, alle acht Stunden wird der Strom für acht Stunden abgeschaltet, manchmal auch für länger. In den Ministerien wird nicht mehr gearbeitet, die Mitarbeiter, heißt es, sollen ihre Arbeit zu Hause erledigen. Der Kühlschrank fällt aus, das für einen Monatslohn und mehr auf dem Schwarzmarkt erstandene Fleisch verfault. Fünfunddreißig Grad Hitze und kein kaltes Wasser, kein Ventilator, der die feuchte Luft schneidet. Statt alle zwanzig Minuten fahren die Busse nur noch alle vier Stunden - sofern sie nicht irgendwo unterwegs liegengeblieben sind. Kommt dann endlich einer, ist er meist so vollgequetscht mit Leuten, daß kein Platz mehr zu finden ist. All das, weil es kein Öl gibt. Und Öl gibt es nicht, weil die Zuckerernte, Devisenbringer Nummer eins, zu dürftig ausfiel. Die Ernte war dürftig, weil es ein Unwetter gab und weil mangels Öl zu wenig Maschinen und Lkws eingesetzt werden konnten - Spirale der Mangelwirtschaft.

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