LeseTipp: Miguel BARROSO, Wiedersehen in Havanna.

Cuba/Krimi/

 Miguel BARROSO: Wiedersehen in Havanna. Miguel BARROSO: Wiedersehen in Havanna.
(Amanecer con hormigas en la boca., 1999)
344 S., ISBN: 3-546-00201-6
Düsseldorf: claassen, 2000

Bewertung
Bewertung: 3 Sterne

Rezension

Nach zehn Jahren im Gefängnis kommt Martín Losada 1958 nach Havanna, um seinen Jugendfreund Albert Dalmau Reyes zu suchen. Mit ihm gemeinsam hat er in im Spanischen Bürgerkrieg gekämpft, war in französischen Lagern interniert und hat eine Bank überfallen. Dalmau ist mit der Beute verschwunden und hat nur eine Nachricht hinterlassen: Such mich in Havanna.
Doch das erweist sich als nicht einfach. Alles, was Losada über Dalmau erfährt, erscheint ihm unglaubwürdig. Und als er schließlich vor Dalmaus Grabstein steht, glaubt er nicht an dessen Tod. Im Zuge seiner Suche begegnet er auch der Witwe Suárez, deren Mann als Ingenieur am neuen Bahía-Tunnel gebaut hat und dabei auf Unregelmäßigkeiten gestoßen war. Sie bittet Losada, die Mörder ihres Mannes ausfindig zu machen.
Losada trifft mit einigen der Senatoren zusammen, die sich an dem Projekt bereichern. Der Journalist Abascal weiß einiges, kann aber darüber nicht schreiben, ohne sich selbst in Lebensgefahr zu bringen. Losada trifft sogar mit dem Mafioso Meyer-Lanski zusammen, der allerdings nichts mit der Sache zu run hat. Und dann gibt es da noch einen geheimnisvollen Unbekannten im Hintergrund.
Losada bringt sich selbst in Gefahr, wird von militärischen Geheimdienst SIM verprügelt und von den Leuten eines Senators beschossen. In der Silvesternacht 1958/59 erreicht die Suche schließlich ihr Ziel. Das Batista-Regime stürzt, Fidel Castro wird die Macht übernehmen, und der geheimnisvolle Unbekannte will mit einigen Geldkoffern nach Miami fliehen. Und eine Freundschaft zerbricht.
Fazit: Der Roman spielt mit allen Versatzstücken und Klischees des Havannas der 1950er-Jahre: feurige Mulatinnen, hilfsbereite Schwarze, Prostitution, Korruption, Gewalt, Tanzbars, Mafia. Er gibt sich alle Mühe, die Atmosphäre jener Zeit einzufangen - und bleibt doch seltsam papierern und blutarm. Er kann den, am Schluß aufgezählten, zahlreichen Quellen kein Leben einhauchen, das Flair der Zeit, die er nicht selbst erlebt hat, nicht lebendig machen. Vielleicht muß man dafür Kubaner sein, wie etwa Leonardo PADURA, dem in seinem Roman Der Nebel von gestern  die Wiederbelebung dieser Zeit viel glaubhafter gelingt. Dazu kommt, daß der Roman von Miguel Barroso sehr verworren ist, nicht wirklich klar wird, worum es eigentlich geht. Und er ist auch nur mäßig spannend.

Er ging hinein, und ich wartete ungefähr eine halbe Stunde in der prallen Sonne. In einem Koben wühlten zwei große Schweine und ein halbes Dutzend Ferkel. Ein Mädchen mit zwei abstehenden Zöpfen, das noch keine fünf Jahre alt war, zerrte an einer Schnur ein dürres Kätzchen hinter sich her, das sich heftig sträubte und zu befreien suchte. Hinter der Hütte war ein Anbau aus Holz mit einem wackligen Tor, auf das mehrere Zielscheiben mit Kohle gezeichnet waren. Genau in der Mitte sah ich einige Einschußlöcher. Alles atmete Trostlosigkeit und Zerfall. Ich versuchte, mir etwas noch Schrecklicheres vorzustellen. Mehr als ein Franco-Gefängnis und ein Auftritt von Pedrito Rico fiel mir nicht ein.

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