LeseTipp: Per PETTERSON, Pferde stehlen.

Norwegen/Roman/

 Per PETTERSON: Pferde stehlen. Per PETTERSON: Pferde stehlen.
(Ut og stjæle hester., 2003)
246 S., ISBN: 3-446-20734-1
München: Hanser, 2006

Bewertung
Bewertung: 4 Sterne

Rezension

Petterson ist ein Meister im Erzählen von Lebensgeschichte und -verläufen. War es in "Sehnsucht nach Sibirien" die Jugend eines Geschwisterpaares bzw. des Mädchens, so ist es hier der fast siebzigjährige Trond, der in den letzten Jahren seines Lebens Frieden und Ruhe in der Abgeschiedenheit eines kleinen norwegischen Ortes nahe der schwedischen Grenze sucht.
Aber diese Ruhe geht verloren, als er in seinem Nachbarn den Bruder seines Jugendfreundes Jon wiedererkennt. Und so steigen in ihm die Erinnerungen an sein Leben, vor allem aber an den Sommer 1948, wieder auf. Den verbrachte er mit seinem Vater an einem ähnlichen Ort. Die Freundschaft mit Jon zerbricht, und am Ende des Sommers wird Trond alleine nach Oslo zurückfahren und seinen Vater nie wieder sehen. Dieser, ein Widerstandskämpfer während der Besetzung Norwegens, wird bei seiner großen Liebe, Jons Mutter, bleiben - so vermute ich jedenfalls. Denn direkt wird es nicht angesprochen, und auch Trond macht unverständlicherweise keinen Versuch, seinen Vater wiederzufinden.
Überhaupt bleibt der Roman etwas zu wage, zu vieles unausgesprochen und nur angedeutet. Trotzdem - von der etwas holprigen deutschen Übersetzung abgesehen - ist es wieder ein großartiges Buch über das Erinnern und Vergessen, über Jugend und Alter, kurz: über das Leben.

"Eine meiner vielen Ängste ist es, der Mann mit der ausgefransten Jacke und dem aufgeknöpften Hosenschlitz vor der Kasse im Konsum zu werden, mit Eierflecken und mehr auf dem Hemd, weil der Spiegel im Gang es nicht mehr richtig tut. Ein Schiffbrüchiger ohne Anker nur in seinen eigenen fahrigen Gedanken verheddert, in denen die Zeit ihre Reihenfolge eingebüßt hat."

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