LeseTipp: Henrik SIEBOLD, Inspektor Takeda und der lächelnde Mörder.

Hamburg/Krimi/

 Henrik SIEBOLD: Inspektor Takeda und der lächelnde Mörder. Henrik SIEBOLD: Inspektor Takeda und der lächelnde Mörder.
349 S. S., ISBN: 978-3-7466-3385-5
Harms-Takeda 3
Berlin: Aufbau Verlag, 2018

Bewertung
Bewertung: 3 Sterne

Rezension

Die dunkle Seite des Lebens ist wie dunkle Materie.
Die Sache erscheint eindeutig. Eine Frau wird in der S-Bahn-Station Dammtor vor den einfahrenden Zug gestoßen. Simon Kallweit, der Sohn des Hamburger Justizsenators, steht an den Bahnsteigkante, hebt die Hände, lächelt und gesteht die Tat. Es gibt eine Videoaufzeichnung, und seine Mitschüler sind Zeugen. Aber es zeigt sich, daß auf der Aufzeichnung der Vorgang nicht deutlich wird. Und die Mitschüler haben eigentlich selbst nichts gesehen, sondern nur von den anderen gehört.
Claudia Harms von der Mordkommission und ihr japanischer Kollege Inspektor Kenjiro Takeda müssen den Verdächtigen gehen lassen. Takeda ist der Meinung, daß Simon unschuldig ist, in seiner Manga-Welt lebt und außerhalb der Realität steht. Doch dann geschehen weitere Morde, und jedes Mal wird Simon in der Nähe des Tatorts beobachtet. Ist er eben doch ein Mörder? Takeda glaubt trotzdem nicht daran.
Henrik SIEBOLD, der selbst enge Beziehungen zu Japan hat, führt den nichtjapanischen Leser (und natürlich die Leserin) in die Manga-Welt ein. Mangas sind im Prinzip Comics, es gibt sie zu verschiedenen Themenkreisen. Japanische Jugendliche leben teilweise in diesen Mangas, indem sie Rollen übernehmen und sich völlig von der realen Welt abkapseln. Und dieses Verhalten scheint auf manche Jugendliche in Deutschland überzugreifen.
Fazit: Es ist schwer, diesen Krimi fair zu bewerten. Denn er läuft, so wie seine Ermittler, ohne zündende Idee einfach dahin. Der Spannungsbogen ist flach. Aber so gelingt die Vermittlung der Manga-Welt sehr plastisch. Und man lernt, daß es neben den allgemein bekannten Comics wie Micky Maus oder Asterix & Obelix auch völlig andere, teilweise bedrohliche Ausformungen gibt. Und auch Takeda ist irgendwie in dieser Manga-Welt gefangen - und er braucht den teuren japanischen Whisky Jamazaki und das Saxophon-Spielen, um wieder in der reale Welt zu finden. Dunkle Materie und kein Alltags-Krimi.

Schließlich sackte der Junge in sich zusammen. Claudia erschrak, aber Takeda beruhigte sie mit einer Geste. Er war ebenfalls aufgestanden, legte nun Lars eine Hand auf den Rücken, berührte ihn nur sanft, aber versicherte ihm auf diese Weise, dass er ihm helfen konnte, sollte es nötig sein.
Der Junge blickte hoch und sah Takeda an. Seine Augen füllten sich mit Tränen. Er öffnete den Mund, und erst mit Verzögerung entstieg seiner Kehle ein Schrei.
Der Schrei ging in ein Wimmern über, und dann weinte er bitterlich, dieser Mörder, der doch nur ein Kind war.

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