LeseTipp: Jussi ADLER-OLSEN, Das Washington-Dekret.

USA/Washington, DC/Politthriller/

 Jussi ADLER-OLSEN: Das Washington-Dekret. Jussi ADLER-OLSEN: Das Washington-Dekret.
(Washington dekretet., 2006)
648 S., ISBN: 978-3-423-28005-1
München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 2013

Bewertung
Bewertung: 3 Sterne

Rezension

Wie stark ist die amerikanische Demokratie?
Die hochschwangere Gattin des Präsidentschaftskadidaten Bruce Jansen wird am Tag seiner Wahl bei der Wahlparty erschossen. Der Anstifter war der reiche Hotelbesitzer Bud Curtis, dessen Tochter Doggie in Jansens Team arbeitet. Bereits zum zweiten Mal verliert Jansen seine Frau durch ein Attentat, und es scheint, als würde dadurch seine geistige Verfassung beschädigt sein.
Denn als Präsident legt er einen Plan vor, der Amerika sicherer und lebenswerter machen soll - allerdings auf Kosten demokratischer Einrichtungen und des Rechtsstaats. Temporär, wie er behautet. Waffen- und Munitionsbesitz werden verboten, normale Kriminelle aus den Gefängnissen entlassen. Günstig für die Umsetzung des Plan sind verschiedene Attentate, bei denen hochrangige Politiker getötet werden, sodaß der Kongress seiner Entmachtung und Auflösung zustimmt. Das Land versinkt im Chaos, die Milizen machen gegen den Staat mobil. Soldaten aus dem Ausland werden zurückbeordert und auf den Straßen eingesetzt, da die Polizei die Lage nicht mehr beherrscht.
Für die Mitarbeiter im Weißen Haus, die kritisch bleiben und sich nicht einfach hinter Jansen stellen, wird die Lage immer prekärer, alle Gespräche werden überwacht. Menschen werden willkürlich verhaftet und hingerichtet. Es gibt keine unabhängigen Medien mehr, Zeitungen, Fernseh- und Radiostationen werden geschlossen. Piratensender übernehmen eingeschränkt die Informationsfunktion.
Bud Curtis, der kurz vor seiner Hinrichtung steht, gelingt es, Zweifel an seiner Schuld bei seiner Tochter zu erwecken. Mit Hilfe eines Sheriffs aus dem Nordwesten Virginias gelingt es, Belege für Buds Unschuld zu sammeln. Aber in dem herrschenden Chaos ist es fraglich, ob Doggie einen Aufschub der Hinrichtung und ein neues Verfahren erreichen kann. Und die Zeit läuft ihr davon...
Jussi Adler-Olsen ist kein Amerikaner. Er blickt mit den Augen eines Dänen von außen auf das politische System der USA - aber er versteht es nicht wirklich. Die Machtübernahme Jansens und seiner Mitspieler erinnert an die Machtergreifung Hitlers und der Nationalsozialisten ebenso wie an die Aushöhlung demokratischer Standards vor allem in den osteuropäischen Ländern. Natürlich lässt es sich von außen (und wohl auch von innen) schwer beurteilen, wie standfest die demokratischen amerikanische Einrichtungen tatsächlich sind - aktuell bei der erratischen Politik von Donald Trump. Aber die Grundannahmen des Politthrillers wirken oft doch sehr naiv und ignorieren die Komplexität des Landes.
Fazit: Für Jussi Adler-Olsen ist das Thema eindeutig zwei Nummern zu groß und erinnert an das Scheitern von Anne Holt bei ihren Ausflügen in die Weltpolitik. Spannung kommt eher selten auf. Als Leser stellt man sich doch die Frage, warum man das Buch eigentlich liest. Ein David Baldacci bringt mehr.

Immer häufiger holte man die Verurteilten ohne Vorwarnung aus der Zelle und führte sie direkt in die Todeskammer. Damit nahm man ihnen das Recht auf den letzten Besuch von Angehörigen, das letzte Telefongespräch, die letzten bewussten Stunden in der Todeszelle und damit ein Stück Menschenrecht, argumentierten Kritiker. Aber alle Proteste von Bürgern, Medien und sogar ausländischen Regierungen nützten nichts. Wer nach dem 12. März einen Mord beging, wurde hingerichtet. Basta. Und zwar in allen Bundesstaaten. Unter anderem die Executive Order 11310 ermöglichte das. »Habeas Corpus« und »Bill of Rights«, all die Meilensteine des Liberalismus, mit denen man Generationen von Schulkindern genervt hatte, hatten keine Gültigkeit mehr.

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