LeseTipp: Bernhard AICHNER, Totenrausch.

Hamburg/Lofoten/Krimi/

 Bernhard AICHNER: Totenrausch. Bernhard AICHNER: Totenrausch.
471 Seiten, ISBN: 978-3-442-75637-7
Totenfrau-Trilogie 3
München: btb Verlag, 2017

Bewertung
Bewertung: 3 Sterne

Rezension

Frauenversteher.
Brünhilde Blum, ehemalige Bestatterin, wird international gesucht. Sie hat fünf Männer ermordet, die Schuld am Tod ihres Mannes, eines Polizisten, hatten. Nun flieht sie mit ihren beiden Kindern, zunächst auf die Lofoten in Norwegen. Sie hofft, in dieser eher abgelegenen Inselwelt zur Ruhe zu kommen.
Aber auf Dauer kann sie dort nicht bleiben, die Kinder müssen in die Schule, und sie brauchen Papiere. Mit einem Fernfahrer gelangt sie nach Hamburg und kann Kontakt zu einem mächtigen Zuhälter am Kiez aufnehmen. Sie bietet ihm an, jemanden für ihn zu töten, wenn er ihr die Papiere verschafft. Sie kann ihn überzeugen, er verschafft ihr die Papiere und lässt sie in einem seiner Häuser auf Blankenese wohnen. Er will sie haben, aber nicht auf die brutale Tour. Und eines Tages fordert er die Erfüllung ihres Versprechens ein: sie soll für ihn seinen Steuerberater töten. Damit beginnen erneut Blums Probleme. Sie hat zwar getötet, aus Rache, aber sie ist keine Killerin.
Bernhard Aichner legt mit diesem Roman den Abschlußband seiner Trilogie um die Bestatterin Brünhilde Blum vor. Die vorhergehenden Bände gelesen zu haben ist allerdings nicht erforderlich. Als Leser hat man schon mit diesem Band gewisse Probleme. Frauenversteher sind Männer, die zu wissen vorgeben, wie Frauen ticken. Und damit ihre Hauptfigur kreieren. Aber das funktioniert nur sehr eingeschränkt, denn wirklich verstehen können Männer Frauen nicht. Und so werden dann doch vor allem die Klischees hervorgeholt.
Fazit: Bernhard Aichner läuft hier in die Falle des Frauenverstehers. Seine Protagonistin ist ein rational planendes, kopfloses Huhn - und diesen Widerspruch kann er nicht auflösen. Kriminaltechnisch hat das Buch etliche Schwächen, es plätschert so dahin, erst gegen Ende steigt der Spannungsbogen. Im Ergebnis bleibt es jedoch unwahrscheinlich.

Blum genießt es. Sie heilt ihre Wunden. Das Brandzeichen auf ihrem Arm, das sie verbirgt. Ihre Schulter, der Bauch. Verbände, die sie wechselt. Sie tut so, als wäre alles in Ordnung. Still ist es. Nur schöne Tage mit den Kindern. Was Reza sagt, ignoriert sie. Wir müssen von hier weg, Blum. Das Mädchen hat ihm längst gesagt, was passiert ist. Sie suchen das Boot, Blum. Wir können nicht länger bleiben. Aber sie will es nicht hören. Sie will bleiben, im Meer vor Helgoland. Etwas in ihr sagt, dass sie noch nicht gehen kann, sie hält Reza davon ab, Gas zu geben, mit ihr und den Kindern weit wegzufahren. Nach England, Spanien, Marokko, irgendwohin, wo sie für immer sicher sind, wo niemand sie kennt.

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