LeseTipp: Jo NESBØ, Durst.

Harry Hole/Norwegen/Oslo/Krimi/

 Jo NESBØ: Durst. Jo NESBØ: Durst.
(Tørst., 2017)
688 S., ISBN: 978-3-550-08172-9
Harry Hole 11
Berlin: Ullstein, 2017

Bewertung
Bewertung: 4 Sterne

Rezension

Harry Hole ist wieder da. Und er stellt sich seinen Dämonen.
Der ehemalige Polizeihauptkommissar hat seinen Dienst quitiert und unterrrichtet an der Polizeihochschule, an der sein Stiefsohn Oleg studiert. Endlich hat er Rakel, die Liebe seines Lebens, geheiratet - oder vielleicht eher sie ihn. Er kommt ohne Alkohol aus und will nichts mehr mit Morden zu tun haben.
Eine junge Frau wird nach einem Tinder-Date ermordet. Die Polizei kann keinerlei Spuren finden, außer daß es sich bei dem Mörder um einen Vampiristen handeln muß. Denn es fehlen eineinhalb Liter des Blutes der Ermordeten.
Als ein weiterer ähnlicher Mord geschieht, setzt der Polizeipräsident Mikael Bellmann Harry unter Druck, die Ermittlungen zu übernehmen. Und Harry muß bald erkennen, daß es sich bei dem Täter um den Einzigen handelt, den er nie erwischen konnte. Der Wettlauf mit der Zeit beginnt.
Es scheint, als würde auch Jo Nesbø mit dem Problem aller Serienautoren kämpfen: wie wird man die einmal erfolgreiche geschaffene Figur wieder los, ohne gleichzeitig die Leser zu verlieren. Mit der neuen Serie Blood on Snow (Der Auftrag und Das Versteck) startete er einen Versuch, der allerdings nicht so ganz erfolgreich zu sein scheint. Beide Bücher waren zu dünn, um die oft verschlungenen Denkwege Nesbø's entwicjeln zu können, und damit einfach zu direkt.
Fazit: Harry Hole ist wieder da. Zwar nicht direkt als Polizist in Amt und Würden, aber als Unterstützer von der Seitenlinie. Und er stellt sich nicht nur seinen Dämonen, sondern auch der Frage, ob Moral mehr ist als ein chemischer Prozess im Hirn. Ob man für die Wissenschaft alles opfern darf, und nur das Ergenis zählt.
Bellmann, der Justizminister werden will, bringt er ein wenig in Schwierigkeiten. Denn natürlich ist der Fall mit der Entlarvung des Täters nicht abgeschlossen. Wenn auch nicht so rafiniert wie in den früheren Büchern gelingt Nesbø auch hier wieder eine, allerdings nicht ganz so überraschende, Kapriole. Und das Ende schmeckt ein wenig nach Durst auf eine Fortsetzung.

Seine Aufgabe war es nicht, zu überlegen, was es den Staat kosten würde, das Leben dieses Serienmörders zu retten. Gerichtsverfahren, Bewachung und Aufenthalt im Fünf-Sterne-Gefängnis kosteten Geld. Seine Aufgabe war es, die Bedrohung einzuschätzen, die von diesem Mann für seine Männer oder für andere ausging, und entsprechend zu reagieren. Er durfte jetzt nicht an Kindergartenplätze, Krankenbetten oder die Renovierung heruntergekommener Schulen denken.

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