LeseTipp: David BALDACCI, Die Wächter.

USA/Washington, DC/Schattenwelten/Politthriller/

 David BALDACCI: Die Wächter. David BALDACCI: Die Wächter.
(The camel club., 2005)
588 S., ISBN: 978-3-7857-2273-2
Camel Club 1
Köln: Lübbe, 2007

Bewertung
Bewertung: 4 Sterne

Rezension

Eine interessante Idee.
Vier Männer haben sich zusammengetan und formell den Camel Club gegründet, der sich der Beobachtung und Öffentlichmachung der Skandale in Washingtons Politikszene zum Ziel gesetzt hat. Sie nennen sich Wächter und haben alle ihrem Vaterland gedient - das sie inzwischen vergessen hat. Nun leben sie am Rande der Gesellschaft. Clubvorsitzender ist ein Mann ohne greifbare Vergangenheit, der sich "Oliver Stone" nennt.
Bei einer ihrer Versammlungen auf Theodore Rooselvelt Island werden sie zufällig Zeugen eines professionellen Mordes und geraten dabei selbst ins Visier der beiden Täter. Da sie in ihrer Lage nicht zur Polizei gehen können, wollen sie selbst die Tat aufklären. Der Ermordete war Mitarbeiter des NIC (National Intelligence Council), das eine strategische Organisation über den zahlreichen Geheimdiensten der USA bildet und deren Koordination sicherstellen soll.
Neben dem FBI vertritt auch der Secret Service durch Agent Alex Ford seine Interessen. Doch als Ford die Selbstmordtheorie bezweifelt und die Echtheit von Drogenfunden hinterfragt, wird ihm der Fall entzogen und er zur Präsidentenschutztruppe zurückversetzt.
Auf einer dritten Handlungsebene plant und trainiert eine Gruppe von Islamisten einen spektakulären Anschlag, dessen Ziel man zwar erahnt, aber erst im letzten Drittel wirklich weiß.
Fazit: David Baldacci legt mit dem ersten Band der Camel-Club-Serie einen gelungenen, mehrschichtigen Politthriller vor. Sein Blick auf die islamische Welt ist durchaus differenziert. Er kritisiert die - vor allem amerikanische - Sichtweise, die unterstellt, man müsse die Menschen dort zur Demokratie erziehen, und fordert, ihrer Kultur auf Augenhöhe begegnen. Diese fehlende Achtung erscheint ihm die Wurzel des Terrorismus zu sein - zumindest ein interessanter Gedanke.
Aber natürlich ist das Buch kein philosophischer Diskurs, sondern ein sehr spannender Thriller des Vielschreibers Baldacci, mit den branchenüblichen nicht realistischen Ereignissen und Ungenauigkeiten. Vier eher am Rande der Gesellschaft stehende Männer zu Wächtern des politischen Prozesses zu befördern ist jedenfalls eine interessante Idee. Auf jeden Fall lesenswert!

Als alle Welt mit einem Ausbruch von Gewalt rechnete, hatte Hemingway Zurückhaltung bewiesen. Als jedermann glaubte, dass sich auch diesmal das Stereotyp vom fanatischen Moslem wiederholte, hatte er der Welt einen Steilpass historischen Ausmaßes zugespielt. Doch seine Politik war keineswegs ohne Vorbild. Gandhi hatte durch Gewaltlosigkeit das Schicksal eines riesigen Subkontinents beeinflusst. Brutale Befürworter der Rassentrennung im amerikanischen Süden waren am Ende durch Sit-ins und Friedensmärsche bezwungen worden. Hemingways »neue« Politik bestand aus nichts anderem als dem Grundsatz, auch die andere Wange hinzuhalten. Er hatte keine Ahnung, ob er damit Erfolg hatte, war aber der Überzeugung, dass der Versuch die Mühe wert war. Denn ohne Alternative sah er den unausweichlichen Untergang zweier Welten voraus, die ihm beide etwas bedeuteten.

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