LeseTipp: Johannes TRALOW, Neuhoff - König von Korsika.

Korsika/Theodor von Neuhoff/Historischer Roman/

 Johannes TRALOW: Neuhoff - König von Korsika. Johannes TRALOW: Neuhoff - König von Korsika.
(König Neuhoff. Ein Weltmann im 18. Jahrhundert., 1929)
432 S., ISBN: 3-373-00043-2
Berlin: Verlag der Nation, 1995

Bewertung
Bewertung: 4 Sterne

Rezension

Eine Romanbiografie des Barons Theodor von Neuhoff (1694-1756), eines Spielers, Hochstaplers, Abenteurers und Glücksritters, der es sogar bis zum König von Korsika brachte.
Anders als bei Kleeberg ist Tralows Schilderung nicht linear, sondern setzt, wenn auch weitgehend chronologisch, den Fokus auf unterschiedliche, ihm wesentlich erscheinende Begebenheiten. Neuhoff ist nur zum Teil handelnde Person und wird oft aus dem Blickwinkel anderer dargestellt, gleichermaßen in ihnen gespiegelt. Die Sprache des Werks ist gewöhnungsbedürftig und soll wohl den leichtsinnig eleganten Stil dieser Zeit, der untergangsreifen feudalen Gesellschaft Ludwigs XV. wiederspiegeln. Dennoch gelingen Tralow immer wieder beeindruckende Szenen, wie etwa die Beschreibung der Eroberung Cortes durch Neuhoff oder der Schöhnheit Korsikas und der Absichten der Korsen.

"Seltsames Land - seltsames Volk. Das Land eine versteinerte See, deren Wellen sich kreuzen, türmen, durcheinanderschieben, durchdringen - eine Mondlandschaft von unzähligen Bergen und Tälern. Wild; aber übersät von Blüten und Bäumen. Palmen am Meer, Orangen, Ölbäume, Pfirsiche und Trauben - o ja, Trauben, Weine von Patrimonio, Kap Corse und von überall - Lorbeer, Kastanien, Korkeichen und Kiefern. Und darunter ein Blühen, Rosmarin und Erika in dichten, mannshohen Büschen, der Berg ist voll herber Gerüche, bis der Felsen unwiderruflich nackt wird und Schnee.
Schön ist das Land zwischen den Meeren und voll Widerspruchs. Alles gedeihet gar wundersam in ihm, selbst die Menschlein ein wenig, ob sie sich gleich geringe Mühe drum geben.
Liebt der Korse sein Land? Er sagt es. Aber im Grund liebt er die Insel, weil sie sein Tal beschließt und das Tal sein Dorf und das Dorf sein Haus. Denn jenseits des Berges - das Tal zunächst - ist Feindesland, meist schon das Haus über der Gasse. Sie sind eifrig auf dieser Insel, wie Plato die Kriegsleute eifernd nennt, in der Rachsucht eifrig, im Streiten, in der Ruhmsucht - nur nicht in der Arbeit. Ackerbau, zumal im Gebirg, ist freien Mannes nicht würdig. So liegen denn fruchtbarstes Talland und selbst die Ebenen im Osten, bei Biguglia und Aleria, zu zwei Dritteilen verkommen."

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